Bund ehrt Schweizer Judenretter und Methodisten Carl Lutz

Ein Sitzungszimmer im Westflügel des Bundeshauses ist nach dem Schweizer Diplomaten Carl Lutz benannt worden. Im Zweiten Weltkrieg bewahrte der gläubige Christ Tausende Juden vor der Deportation.

Der Diplomat Carl Lutz (1895-1975) gilt als «Schindler der Schweiz»: Über 60'000 Juden rettete er das Leben.
Der Diplomat Carl Lutz (1895-1975) gilt als «Schindler der Schweiz»: Über 60'000 Juden rettete er das Leben. (Bild: Fortepan/Archiv für Zeitgeschichte ETH Zürich / Agnes Hirschi)

Der Schweizer Diplomat Carl Lutz ist am Montag im Bundeshaus geehrt worden. In Anwesenheit von Bundesrat Ignazio Cassis wurde im Westflügel ein Sitzungszimmer auf den Namen «Salle Carl Lutz» eingeweiht. Es handelt sich dabei um die erste offizielle bleibende Würdigung des Schweizers, wie das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am 12. Februar mitteilte. Das ausgewählte Sitzungszimmer sei eines der wichtigsten des EDA. Dort würden wichtige aussenpolitische Entscheidungen getroffen.

Retter der Budapester Juden

Carl Lutz hatte während seiner Amtszeit als Botschafter in Budapest zwischen 1942 und 1945 rund 62’000 Juden vor der Deportation gerettet. Ohne offizielle Unterstützung aus Bern fand er mit seiner Ehefrau Wege, die Verschleppung zu verhindern.

Zusammen mit dem Leiter des Budapester Palästina-Amtes, Moshe Krausz, entwickelten sie die Idee, Juden durch die Ausstellung von «Schweizer Kollektivpässen» dem Zugriff der Nazis zu entziehen. Wer einen solchen Pass hatte oder darin eingetragen war, stand unter dem Schutz der Schweizer Gesandtschaft.

Beinahe Pfarrer geworden

Der 1895 in Walzenhausen (AR) geborene Lutz wuchs in einer Methodisten-Familie auf. Er wollte ursprünglich Pfarrer werden, gab diesen Wunsch aber nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten 1913 auf. Ab 1920 arbeitete er in der Schweizer Gesandtschaft in Washington. 1942 wurde Lutz als Vizekonsul an die Schweizer Botschaft nach Budapest versetzt. Zeit seines Lebens blieb er ein gläubiger Mensch.

«Gerechter unter den Völkern»

Sein Wirken gilt als die grösste bekannte zivile Rettungsaktion für Juden während des Zweiten Weltkriegs. Dreimal wurde Lutz für den Friedensnobelpreis nominiert. Israel verlieh ihm als erstem Schweizer den Ehrentitel «Gerechter unter den Völkern». Von Deutschland erhielt er das Grosse Bundesverdienstkreuz. Die Vereinigten Staaten ehrten ihn drei Jahre nach dem Krieg mit der «Liberty Medal» für besonderen Mut.

Mit diesem Akt der Anerkennung unterstreiche der diesjährige Schweizer Vorsitz der International Holocaust Remembrance Alliance sein Engagement für die Zielsetzungen der Allianz, schreibt das EDA weiter. Die Organisation mit 31 Mitgliedstaaten will mit Forschung und Bildung sowie Gedenkstätten die Erinnerung an die Opfer des Holocaust wachhalten. (sda/no)