Literatur

Peter Bichsel ist tot

Peter Bichsel war einer der einflussreichsten Schweizer Schriftsteller. Der Mann, der aus Alltäglichem Literatur machen konnte, ist am Samstag im Alter von 89 Jahren gestorben.

Peter Bichsel galt als passionierter Zugfahrer und war der vielleicht berühmteste Beizengänger der Schweiz. Nun bleibt sein Platz am Stammtisch leer. Wie die Solothurner Zeitung zuerst vermeldet hat, ist der grosse Schweizer Schriftsteller am Samstag gestorben – eine Woche vor seinem 90. Geburtstag, der am 24. März gewesen wäre.

Öffentlich in Erscheinung trat Bichsel als politischer und sozial engagierter Beobachter und Autor. Der ehemalige Lehrer und Bundesratsberater wurde 1964 mit seiner Kurzgeschichtensammlung «Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen» bekannt.

Er wurde in die «Gruppe 47» aufgenommen – eine Gruppe von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die sich regelmässig trafen, sich gegenseitig ihre unveröffentlichten Texte vorlasen und diese kritisierten. Günter Grass gehörte unter anderen dazu, Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger, Heinrich Böll und Martin Walser. 1965 erhielt Bichsel den Literaturpreis der Gruppe 47 und eine Prämie von 6000 D-Mark (rund 3000 Franken).

Schweizer Leserinnen und Leser konnten das Entstehen seines Werks mitbeobachten: Ab 1968 schrieb er Kolumnen für die «Weltwoche», später für die «Schweizer Illustrierte». Die Kolumnen erschienen regelmässig gesammelt in gebundener Form. Bichsel setzte sich auch mit Religion und Glauben auseinander. 2009 erschien eine Sammlung von Texten zu diesen Themen unter dem Titel «Über Gott und die Welt. Texte zur Religion».

Von der theologischen Fakultät der Universität Basel erhielt Bichsel 2004 die Ehrendoktorwürde. Am Festakt hielt der Autor eine Rede mit dem Titel «Von der Erfindung der Heiligen Schrift».

Im Januar erschien in der NZZ am Sonntag ein grosses Interview mit dem Autoren. Darin sagte er, er habe sich noch nie mit dem Sterben befasst, «wofür ich mich ein bisschen schäme». Er habe unter vielen Toden von ihm nahestehenden Menschen gelitten. Und er meinte: «Aber vor dem eigenen Tod? Nein, da fürchte ich mich nicht.» (dst)

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