Orthodoxe Kirchen sollen in Dialog treten
Spitzenvertreter des ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) haben Papst Franziskus eine ökumenische Initiative für eine mögliche Verständigung im Krieg zwischen Russland und der Ukraine vorgestellt. Vertreter der Orthodoxie aus der Ukraine, Russland und anderer Kirchen sollten an einem runden Tisch zusammengebracht werden, teilte der Generalsekretär des Rates, Jerry Pillay, mit.
Der Moderator des Zentralausschusses des ÖRK, Heinrich Bedford-Strohm, und Pillay drückten bei ihrem Antrittsbesuch bei Franziskus ihre Sorge über den russischen Angriffskrieg aus. Die ÖRK-Vertreter hätten gegenüber dem Papst auch ihre Wertschätzung für die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche betont.
Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirchen, Patriarch Kyrill I., hat mehrmals offen den russischen Überfall auf die Ukraine gutgeheissen. Kyrill gilt als enger Vertrauter und Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die russisch-orthodoxe Kirche ist die mitgliederstärkste der 352 ÖRK-Mitgliedskirchen. Im ÖRK ist die russisch-orthodoxe Kirche wegen ihrer Position isoliert.
Auch bei den Schweizer Reformierten hat der ÖRK in letzter Zeit zu reden gegeben. Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) hatte im Sommer 2022 beschlossen, dass sich der EKS-Rat beim ÖRK dafür einsetzt, dass dieser eine Suspendierung der Russisch-orthodoxen Kirche prüft.
Schliesslich kritisierte EKS-Präsidentin Rita Famos im Oktober den damaligen ÖRK-Generalsekretär Ioan Sauca, der Kyrill I. getroffen hatte. E sei nicht klar gewesen, ob Sauca Kritik an der theologischen Haltung Kyrills geübt habe, meinte Famos.
Die protestantischen, anglikanischen, orthodoxen und anderen Kirchen des Rates mit Sitz in Genf vertreten insgesamt rund 580 Millionen Gläubige. Die katholische Kirche ist kein ÖRK-Mitglied. Jerry Pillay übernahm die Position des Generalsekretärs Anfang 2023. (epd/ jow)