Organspende: Ethikkommission mit möglichem Kompromiss

Die Nationale Ethikkommission hat eine dritte Antwort auf die Frage, wie die Schweiz künftig Organspenden regeln möchte, gefunden: Sie favorisiert die sogenannte Erklärungsregelung.


Die Schweizer Bevölkerung soll regelmässig dazu aufgefordert werden, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen und sich dazu zu äussern. Dies schlägt die Nationale Ethikkommission im Bereich Humanmedizin (NEK) in einer Mitteilung vom 9. September vor.

Hintergrund der Stellungnahme ist eine Volksinitiative, die Ende April zustande gekommen ist und die einen Systemwechsel in Bezug auf die Organspende fordert. So soll grundsätzlich jeder als Spender gelten – ausser er hält zu Lebzeiten fest, dass dies nicht seinem Willen entspricht (Widerspruchslösung). Heute ist es genau umgekehrt: Wer seine Organe spenden möchte, muss diesen Willen ausdrücklich kundtun (Zustimmungslösung).

Die Initianten argumentieren, dass die Bereitschaft zur Organspende bei vielen Menschen grundsätzlich vorhanden sei, dass aber nur wenige sich auch tatsächlich ins Spenderegister eintragen lassen würden. Sie erhoffen sich von einem Systemwechsel steigende Spendezahlen und stellen das Wohl der Patienten, die auf ein neues Organ angewiesen sind, in den Vordergrund.

Ethische Bedenken

Die Vertreter der Zustimmungslösung weisen dagegen auf die Schutzrechte der potenziellen Spender hin. So hielt etwa der Schweizerische Evangelische Kirchenbund 2018 fest, dass bei einem Systemwechsel die Spende ihren freiwilligen Charakter zu verlieren drohe, womit «die Rechte über den eigenen Körper systematisch verletzt und ausgehöhlt» würden.

Die NEK gibt in ihrer Stellungnahme beiden Positionen Raum und benennt die jeweiligen Vor- und Nachteile. Darauf aufbauend bringt sie die Erklärungsregelung ins Spiel. So könnte die Bevölkerung beispielsweise bei der Erneuerung von Identitätsausweisen oder bei Konsultationen bei der Hausärztin dazu aufgefordert werden, sich zum Thema zu äussern (Verpflichtung zur Erklärung). Die konkrete Ausgestaltung einer solchen Regelung müsste allerdings noch diskutiert werden, so die NEK.

Die Kommission geht davon aus, dass die Erklärungsregelung das Vertrauen in die Organspende fördern würde. Dies könne sich auch in einer höheren Zahl von Einträgen in das Spenderegister niederschlagen. Zudem trage dieses Modell dem Selbstbestimmungsrecht am besten Rechnung und entlaste so die Angehörigen. (vbu)