Bundesräte beim Thema Organspende offenbar uneins

Wie soll die Schweiz künftig Organspenden regeln? Darüber diskutierte am Mittwoch der Bundesrat. Einig werden konnten sich die Magistraten aber nicht, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.


Wer seine Organe spenden möchte, muss diesen Willen ausdrücklich kundtun. So verlangt es derzeit das Schweizer Gesetz. Doch diese sogenannte Zustimmungslösung steht nun auf dem Prüfstand: Eine Volksinitiative fordert, dass jede Person automatisch zum Organspender wird – ausser sie hat dies zu Lebzeiten explizit abgelehnt. Dieser Mechanismus wird gemeinhin als Widerspruchslösung bezeichnet.

Die Initiative «Organspende fördern – Leben retten» wurde von der Junior Chamber International (JCI) der Riviera lanciert und ist Ende April mit 112’633 gültigen Unterschriften offiziell zustande gekommen.

Auch im Bundesrat umstritten

In seiner Sitzung vom 29. Mai beugte sich nun der Bundesrat über das Geschäft. Wie der Tages-Anzeiger in seiner Ausgabe vom Freitag berichtet, führte die Diskussion aber zu keinem konkreten Ergebnis. «Vor allem die zwei SP-Vertreter, Alain Berset und Simonetta Sommaruga, standen sich in der letzten Sitzung unversöhnlich gegenüber», heisst es in dem Artikel.

Demnach unterstützt Gesundheitsminister Berset das Anliegen der Initiative, möchte es aber über einen indirekten Gegenvorschlag umsetzen. So könnte der Bundesrat noch gewisse Anpassungen vornehmen. Seine Parteikollegin Simonetta Sommaruga soll das Ansinnen dagegen ablehnen.

Ethische Bedenken

Dass die Meinungen der Magistraten gerade beim Thema Organspende offenbar auseinander gehen, verwundert nicht. Tatsächlich ist das Thema höchst umstritten: Während sich die Initianten von einem Systemwechsel steigende Spendezahlen erhoffen und das Wohl der Patienten, die auf ein neues Organ angewiesen sind, in der Vordergrund stellen, weisen Kritiker auf die Schutzrechte der potenziellen Spender hin. So schreibt etwa der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) in einem Papier zur Widerspruchslösung: «Die Spende verliert ihren freiwilligen Charakter und wird zu einem Automatismus, der die Rechte über den eigenen Körper systematisch verletzt und aushöhlt.»

Die Widerspruchslösung beruhe auf der Annahme, dass die meisten Menschen gerne ihre Organe spenden würden, dies jedoch nicht dokumentiert hätten. Diese Unterstellung funktioniere nur, weil die Betroffenen in der entscheidenden Situation nicht mehr gefragt werden könnten. «Damit widerspricht sie fundamental den besonders in der Medizin so zentralen Selbstbestimmungs- und Persönlichkeitsrechten. Auf der Schwelle des Todes scheinen diese Schutzrechte zu bröckeln», schreibt der SEK im Papier «Der Leib als Gabe».

Schweiz hinkt hinterher

Bei allen ethischen Differenzen ist eines indes klar: Die Schweiz hinkt im internationalen Vergleich hinterher, was die Zahl der Organspenden betrifft. So betrug die Spenderate pro Million Einwohner 2016 hierzulande 13,3; in Kroatien betrug dieser Wert 35,8, in Belgien 28,4 und in Österreich 23,9. Zwar ist die Quote mittlerweile auf 18,6 angestiegen. Das selbst gesteckte Ziel, bis Ende 2018 eine Rate von 20 pro Million Einwohnerinnen zu erreichen, hat der Bund jedoch verfehlt. (vbu)