Häusliche Gewalt

Opferberatung: Manche Verletzungen sind unsichtbar

Menschen in der Schweiz sind vor häuslicher Gewalt ungenügend geschützt. Das kritisieren Fachstellen.

Die Corona-Krise hat die Anzahl an Fällen häuslicher Gewalt ansteigen lassen. Letztes Jahr sind in der Schweiz 20'123 solche Straftaten registriert worden. Fachstellen kritisieren nun, Betroffene würden nicht ausreichend geschützt. In einem Communiqué vom 18. Juni 2021 hat das Netzwerk Istanbul Konvention seinen Unmut ausgedrückt. Der Vereinigung sind über 90 Fachstellen angeschlossen, darunter auch die feministische Friedensorganisation cfd sowie der Verein Netzcourage, der sich gegen Hassrede im Internet und Mobbing in Sozialen Netzwerken stark macht.

Mehr Geld nötig

Die von Bund und Kantonen aktuellen sowie geplanten Massnahmen seien ungenügend. Die Praxis zeige, dass diese noch lange nicht ausreichten, um die psychische und physische Gesundheit zu gewährleisten. «Meint es die Schweiz wirklich ernst im Kampf gegen Gewalt, muss der Bund massiv mehr Geld sprechen», lässt sich Mitkoordinatorin Anna-Béatrice Schmaltz zitieren.

Verbessert werden muss aus Sicht des Netzwerks zum Beispiel der Schutz gegen Gewalt in der Geburtshilfe oder gegen Digitale Gewalt. «Auch ohne blaue Flecken und Knochenbrüche kann Digitale Gewalt töten», schreibt Jolanda Spiess-Hegglin, Geschäftsleiterin des Vereins Netzcourage.

Experten besuchen Schweiz

Die Publikation des Bundesberichtes ist eine Premiere. Der Bundesrat hat das Papier in seiner Freitagssitzung gutgeheissen. Im Bericht kommt der Bund zum Schluss, die Konvention habe eine Dynamik ausgelöst. Konkret habe das Parlament einen nationalen Aktionsplan beschlossen, die Kantone hätten einen Massnahmenkalender ausgearbeitet. Dazu gehöre etwa eine zentrale Telefonnummer für Gewaltbetroffene. Zudem unterstütze der Bund diverse Projekte auch finanziell.

Die Arbeit werde nun durch eine internationale, unabhängige Expertengruppe geprüft. Diese besucht die Schweiz im März 2022 und gibt dann bis Ende desselben Jahres weitere Empfehlungen ab. Die Istanbul-Konvention ist ein europäisches Übereinkommen zur Prävention gegen und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Die Schweiz hat es am 1. April 2018 ratifiziert. (jow)