Österreichische Tragikomödie gewinnt Filmpreis der Zürcher Kirchen

Der ökumenische Preis der Zürcher Kirchen am 15. Zurich Film Festival geht an den Film «Waren einmal Revoluzzer» der österreichischen Regisseurin Johanna Moder. Die Tragikomödie konfrontiere hehre humanistische Ideale mit weniger hehren Alltagsbedürfnissen und lasse das Publikum herzhaft lachen, begründet die Jury ihren Entscheid.

In «Waren einmal Revoluzzer» bringt die Aufnahme des russischen Dissidenten Pavel (Manuel Rubey) das Beziehungsleben zweier Wiener Paare durcheinander. Die Ökumenische Jury zeigte sich insbesondere auch von der Leistung von Julia Jentsch in der Rolle der Helene beeindruckt. (Bild: Zurich Film Festival)

Der Film «Waren einmal Revoluzzer» der österreichischen Regisseurin Johanna Moder ist am 15. Zurich Film Festival mit dem ökumenischen Preis der Zürcher Kirchen ausgezeichnet worden. Moders Film, der in Zürich Weltpremiere feierte, sei eine Komödie nahe am Abgrund zur bitteren Tragödie. «Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht und wurde dabei trotzdem nachhaltig zum Nachdenken angeregt», begründete Jury-Präsidentin Lucie Bader den Entscheid gemäss einer Mitteilung vom 3. Oktober.

«Hoffnungsvoller Witz»

Die Jury wählte «Waren einmal Revoluzzer» aus 12 Filmen der Reihe «Fokus» mit Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. In dem Film geht es um zwei idealistische Wiener Paare, die dem russischen Dissidenten Pavel zur Flucht nach Österreich verhelfen. Sie wollen endlich einmal nicht nur reden, sondern etwas tun. Doch was die Wiener als Abenteuer begreifen, wird schon bald das Gefüge der alten und festgefahrenen Beziehungen durcheinander bringen.

«Waren einmal Revoluzzer» sei ebenso abgründig wie komisch, ohne dass dabei eine der Figuren ins Lächerliche gezogen werde, schreibt die Jury. Vielmehr sei der Witz im Film hoffnungsvoll. «Im Lachen erkennen wir uns selbst als gefallene Idealisten und Idealistinnen wieder.» Weiter hebt die Jury die hervorragenden schauspielerischen Leistungen hervor. Insbesondere die deutsche Schausspielerin Julia Jentsch überzeuge durch eine anspruchsvolle Gratwanderung. Einen Gastauftritt im Film hat zudem der bekannte österreichische Kabarettist Josef Hader.

«Female Pleasure»-Regisseurin in Jury

Der ökumenische Filmpreis der Reformierten und Katholischen Kirche im Kanton Zürich wurde bereits zum dritten Mal verliehen. Einsitz in die Jury nahm erstmals die Regisseurin Barbara Miller, die im letzten Jahr mit ihrem religionskritischen Film «Female Pleasure» Aufmerksamkeit erhielt. Neben Miller sassen katholischerseits der Chefredaktor des Zürcher Pfarrblatts Forum, Thomas Binotto, und der Zürcher Synodalrat Zeno Cavigelli sowie reformierterseits der Kirchenrat und Pfarrer Andrea Marco Bianca in der Jury. Präsidiert wurde die Jury von der Filmdozentin Lucie Bader.

Julia Jentsch als Hauptdarstellerin hat den Preis stellvertretend für die Regisseurin Johanna Moder an der Preisverleihung vom 3. Oktober in Zürich entgegengenommen. Das Preisgeld beträgt 5000 Franken. Der Filmpreis der Zürcher Kirchen will den Dialog zwischen den Religionen und Kulturen fördern. Bewertet werden unter anderem Kriterien wie künstlerischer Gehalt, christliche Verantwortung und Relevanz für die gesellschaftliche Debatte. (no)