Frühjahrsversammlung

Nidwaldner Kirche schafft die Pfarrwahl ab

Die Nidwaldner Reformierten haben einer neuen Verfassung zugestimmt. Neu stellt der Kirchenrat Pfarrerinnen und Pfarrer an. Das sorgte im Vorfeld und an der Versammlung für Gesprächsstoff.

An der Frühjahresgemeindeversammlung haben die Mitglieder der Evangelisch-reformierten Kirche Nidwalden für die Abschaffung der Pfarrwahl gestimmt. Somit werden Pfarrpersonen nicht mehr durch die Mitgliederversammlung gewählt, sondern der Kirchenrat stellt sie nach kantonalem Personalreglement an, wie die «Luzerner Zeitung» am 25. Mai berichtet. Auf Gemeindekreisebene werde zudem die Kirchenpflege abgeschafft. Die drei Gemeindekreise Buochs, Hergiswil und Stans würden neu von den Pfarrpersonen und einem Gemeindekreisteam geführt.

Hintergrund der neuen Regelung war die Totalrevision der Kirchenverfassung. Eine Gruppe um den früheren Buochser Pfarrer Fritz Gloor und den ehemaligen Kirchenpflegepräsidenten Niels Fischer plädierte für eine Teilrevision. Sie wollten die Wahl der Pfarrpersonen durch das Volk beibehalten. «Der Auftrag der Kirche wurde vergessen und nur über Strukturen gesprochen», sagte unter anderem Fritz Gloor. Die Kirche müsse gemeinschaftlich und partnerschaftlich geführt werden, sonst entstehe Macht.

Thomas Vaszary verabschiedet sich

Im Vorfeld der Versammlung hatte Thomas Vaszary, der ehemalige Leiter der Nidwaldner «Kirchen-News», in einem Schreiben vom 19. Mai bekannt gegeben, dass er die «Kirchen-News» definitiv verlassen werde. «Ich verabschiede mich hiermit offiziell als Redaktionsleiter der ‹Kirchen-News›, welche ich sechs Jahre lang leiten und weiter entwickeln durfte», heisst es. Im langen Schreiben geht Vaszary noch einmal auf das zerrüttete Verhältnis zwischen ihm und dem Kirchenrat ein, dessen Ursprung ein nicht publizierter Artikel zur Konzernverantwortungs-Initiative war (ref.ch berichtete). (bat)

Deutliche Annahme

Insgesamt 56 Mitglieder entschieden sich gemäss «Luzerner Zeitung» für die Gesamtrevision der Kirchenverfassung. Lediglich 13 stimmten für den Gegenvorschlag der Gruppe Gloor und Fischer. Neun enthielten sich der Stimme. «Ich bin sehr froh über dieses Ergebnis», sagt Kirchenratspräsident Wolfgang Gaede auf Anfrage von ref.ch. Somit löse sich eine Bremse. «In den letzten Wochen war vieles unklar. Nun können wir voller Elan an die Arbeit.»

Auch bei den Gegnern der Totalrevision macht man sich Gedanken über die Zukunft. «Wir sind gespannt, wie die Pfarrpersonen die Zusatzbelastung als Leitende der Gemeindekreis-Teams bewältigen», sagt Niels Fischer auf Anfrage von ref.ch. Neben ihren pfarramtlichen Aufgaben hätten sie auch noch die Funktionen der früheren Kirchenpflegepräsidien zu übernehmen. «Und dies ohne, dass sie oder ein anderes Mitglied des Teams im Kirchenrat Einsitz haben.»

Gewinn von 164'000 Franken

Genehmigt wurde auch die Jahresrechnung von Kirchengutsverwalter Max Marthaler. Bei einem Gesamtertrag von 2,5 Millionen Franken verbuchte er einen Reingewinn von rund 164’000 Franken. Kirchengutsverwalter Max Marthaler, Vizepräsidentin Diana Hartz und Präsident Wolfgang Gaede wurden in ihren Ämtern bestätigt. Anstelle von Natalie Siegenthaler, die demissionierte, wählte die Versammlung Lukas Reinhardt in den Kirchenrat. (bat)