Israel

Nahost-Krieg prägt Holocaust-Gedenken

Der israelische Holocaust-Gedenktag «Yom HaShoah» war vom Krieg in Gaza geprägt. Israel lasse sich das Recht auf Selbstverteidigung nicht absprechen, betonte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Die blau-weissen Nationalflaggen waren auf halbmast gehisst. Am Vormittag fand die traditionelle Kranzlegung in der «Halle der Erinnerung» in Yad Vashem statt, die vom Ertönen einer Sirene begleitet wurde. Für zwei Minuten erklang im ganzen Land der Alarm. Während dieser Minuten unterbrachen die Menschen zum Gedenken sämtliche Tätigkeiten. An diesem Tag des Gedenkens an den Holocaust bleiben Orte der öffentlichen Unterhaltung geschlossen, das Fernsehen zeigt ausschliesslich Holocaust-bezogene Sendungen.

Bei der staatlichen Eröffnungszeremonie in der Internationalen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem hatten Premierminister Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Isaac Herzog auch über den anhaltenden Gaza-Krieg und die noch immer entführten israelischen Geiseln gesprochen. Beide Politiker zeigten sich zudem alarmiert über weltweit zunehmende Fälle von Antisemitismus.

Netanjahu: «Notfalls allein kämpfen»

Netanjahu betonte: «Hamas-Terroristen haben abgeschlachtet, misshandelt, vergewaltigt und entführt, aber ich möchte klarstellen: Der schreckliche Terroranschlag am 7. Oktober war kein Holocaust.» Auch wenn es einen klaren «Vernichtungswillen» gegeben hätte, sei das Massaker nicht mit der Shoah vergleichbar. Am Ende seiner Rede wechselte Netanjahu ins Englische: «Ich sage den Staats- und Regierungschefs der Welt: Kein noch so grosser Druck, kein Beschluss eines internationalen Forums wird Israel davon abhalten, sich zu verteidigen.»

Netanjahu kritisierte die mutmasslichen Versuche, Israel durch völkerrechtliche Klagen das Recht auf Selbstverteidigung abzusprechen. Er unterstrich: «Wir werden alleine kämpfen, wenn es sein muss. Nie wieder ist jetzt!».

Einsatz für Geiseln soll weitergehen

Ein Stuhl in der ersten Reihe des Publikums blieb während der gesamten Veranstaltung leer. Er war den 132 Entführten gewidmet, die noch immer in Gaza als Gefangene der Hamas festgehalten werden. Staatspräsident Herzog versprach in seiner Rede, sich unermüdlich für deren Freilassung einzusetzen. «Wir werden nicht ruhen und nicht schweigen, bis unsere Söhne und Töchter nach Hause zurückkehren».

Hunderte hochrangige Politiker, zivile und militärische Würdenträger, Oberrabbiner sowie Holocaust-Überlebende waren in Yad Vashem zusammenkommen. Unter den Überlebenden der Shoah waren im Vorfeld sechs Frauen und Männer ausgewählt worden, um während der Zeremonie Gedenkfackeln zu entzünden. Die Veranstaltung wurde live im israelischen Rundfunk gesendet und in mehreren Sprachen ins Internet übertragen. (epd/ no)