Motionäre fordern Gender-Fachstelle für Kirchgemeinde Zürich

Die Stadtzürcher Reformierten haben ihre erst Parlamentssitzung der reformierten Kirchgemeinde Zürich abgehalten. Dabei wurden ein Kredit für das Pilotprojekt «Spiritchurch» bewilligt und eine Motion eingereicht, welche die Schaffung einer Fachstelle für geschlechterbewusste Theologie und Genderfragen fordert.


Die Mitglieder des Kirchgemeindeparlaments der reformierten Kirchgemeinde Zürich sind am 27. März zum ersten Mal im Grossen Saal des Kirchgemeindehauses Aussersihl zusammengekommen. Dabei präsentieren elf Personen eine unterzeichnete Motion, welche die Schaffung einer Fachstelle für geschlechterbewusste Theologie und Genderfragen fordert, wie es in einer Medienmitteilung vom 27. März heisst. Unter den Motionären waren unter anderem Christine Rial, ehemalige Kirchenpflegepräsidentin der Kirche Kirche Fluntern sowie Jürg Egli aus dem «Kirchenkreis sieben acht». Die Stelle soll zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Thematik in der Kirchgemeinde Zürich sowie zur professionellen Vernetzung in diesem Forschungsbereich beitragen. Die Kirchenpflege unter Präsident Andreas Hurter hat nun zwei Monate Zeit, um zu entscheiden, ob sie die Motion entgegennehmen will, heisst es in der Mitteilung.

Als erstes Sachgeschäft kam ein Antrag zur Unterstützung für das Pilotprojekt «Spiritchurch» zur Behandlung. Diese soll im Kirchgemeindehaus Zürich-Enge entstehen. Das Projekt richtet sich an Milieus, deren spirituelle Bedürfnisse durch die klassisch reformierten Gottesdienstformen wenig oder nicht angesprochen werden. Weiter sollen neue Gottesdienstformen erprobt werden.

Nach einer kurzen Diskussion bewilligten die Abgeordneten mit nur einer Gegenstimme den Kreditantrag, wie es in der Mitteilung heisst. Die «Spiritchurch» erhält für die Pilotphase vom 1. April 2019 bis 30. Juni 2020 einen Kredit in der Höhe von 225’000 Franken. Die Finanzmittel werden dem Personal- und Entwicklungsfonds der Kirchgemeinde entnommen.

Keine geheime Abstimmung

In erster Lesung behandelten die Abgeordneten die parlamentarische Geschäftsordnung. Viel zu reden habe dabei einerseits das Verfahren bei den Abstimmungen gegeben, die nach dem Willen einer Mehrheit in jedem Fall offen erfolgen sollen. Ein Artikel, der die Möglichkeit geheimer Abstimmung auf Antrag vorsah, wurde deutlich verworfen.

Andererseits debattierten die Abgeordneten über die Anzahl der Kommissionen im neuen Kirchgemeindeparlament. Am Ende entschieden sie sich dafür, neben der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission keine zusätzlichen ständigen Kommissionen zu schaffen. Fachkommissionen können bei Bedarf eingesetzt werden, in der Regel mit fünf Mitgliedern. Bis zum Inkrafttreten der Geschäftsordnung bleibt der vorliegende Entwurf provisorisch gültig. Die zweite Lesung ist für die Sitzung vom 26. Juni vorgesehen.

Einstimmig wählte das Parlament die sieben Kandidatinnen und Kandidaten für die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission. Deren Vorsitz übernimmt Theresa Hensch, die ehemalige Präsidentin der Kirchgemeinde Zürich-Enge. (bat)