Evangelische Frauen Schweiz

«Missbrauch und Grenzverletzungen haben in der Kirche keinen Platz»

In einem Grundsatzpapier mahnen die Evangelischen Frauen sieben zentrale Werte für den Umgang mit Grenzverletzungen an. Hintergrund sind die Ereignisse in der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, die der Verband «besorgt» verfolgt.

Würde, Respekt, Gleichwertigkeit – was die Evangelischen Frauen Schweiz (EFS) in ihrem neusten Grundsatzpapier niedergeschrieben haben, scheint zunächst nicht bahnbrechend neu. «Tatsächlich sollten diese Werte Standard sein und sind es wohl auch vielerorts. Aber eben nicht überall», erklärt EFS-Präsidentin Gabriela Allemann auf Nachfrage von ref.ch. Viele Reformierte wähnten sich beim Thema Missbrauch in einer falschen Sicherheit: bei uns geschieht so etwas nicht. Die jüngsten Vorfälle in der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) hätten jedoch aufgezeigt, dass Grenzverletzungen nicht nur ein Problem der anderen seien, so Allemann.

Aus diesem Grund haben die EFS sieben zentrale Werte für den Umgang mit dem Thema zusammengetragen. Sie sollen den Mitgliedern des Verbandes ein Instrument an die Hand geben, um in den Gemeinden, in Kleingruppen oder Synoden über Missbrauch zu sprechen. Zudem sollen sie als Leitlinien dienen, um «genau hinzuschauen» und Grenzverletzungen zu verhindern, erklärt Gabriela Allemann.

Missbräuche konsequent verfolgen

Neben Werten, die sich auf den Umgang miteinander beziehen, mahnen die EFS auch Teilhabe und Demokratie an. So sollen kirchliche Gremien und Ämter «paritätisch auf die Geschlechter verteilt sein». Zudem solle Macht «nicht in einzelnen Händen konzentriert werden», sondern Verantwortung müsse «gemeinsam getragen werden». Für den Fall, dass es zu Missbräuchen kommt, müssten diese konsequent verfolgt werden, heisst es in dem Papier weiter. «Dazu braucht es auf allen Ebenen Menschen, die hinschauen, Probleme ansprechen und sich trauen, sexualisierte Gewalt aufzudecken.»

Zusätzlich zum Grundsatzpapier haben die Evangelischen Frauen auf ihrer Website weitere Informationen zum Thema Missbrauch zusammengetragen. Dabei verlinken sie auch auf die Meldestelle, welche die EKS für Opfer von Grenzverletzungen innerhalb der Organisation eingerichtet hat (ref.ch berichtete). Für eine konsequente Untersuchung der Vorwürfe sie diese Meldestelle zentral, sagt Gabriela Allemann.

Vorwürfe gegen Gottfried Locher

Die EKS war im vergangenen Frühling in die Schlagzeilen geraten, als ihr Präsident Gottfried Locher nach Vorwürfen der Grenzverletzung zurückgetreten war. Seither ist die Kirche mit der Aufarbeitung der Ereignisse beschäftigt. Das dafür engagierte Anwaltsbüro, das der synodalen Kommission Bericht erstatten soll, will seine Arbeit bis Ende Jahr abschliessen. Die Evangelischen Frauen seien besorgt über die Vorwürfe, heisst es in der Mitteilung zum Grundsatzpapier. «Für die EFS gehört zu den unveräusserbaren Grundsätzen der Kirche, dass Missbrauch und Grenzverletzungen keinen Platz haben.» (vbu)