Filmfestival Locarno
Ein leises und intensives Familientreffen
Die Ökumenische Jury des Filmfestivals Locarno zeichnet den Film «Nun Dul Dega Eomne» (Nowhere to Lay My Eyes, Südkorea) aus. Im Film geht es um Sanghee, die mit ihrem Bruder ihre Mutter in der südkoreanischen Stadt Jeju besucht – zum ersten Mal seit zehn Jahren. Die Mutter betreibt dort ein erfolgreiches Restaurant. Sanghees Stiefvater dreht einen Film über ein «Grasgrab», und seine Tochter hat mit dem Malen begonnen.
Man tauscht Neuigkeiten, unnötige Ratschläge und billige Komplimente aus. Am Morgen der Abreise schauen sich die anderen Familienmitglieder einen Film von Sanghee an. Die Jury habe den südkoreanischen Film wegen seiner «ausserordentlichen menschlichen Tiefe» ausgewählt, heisst es in einer Mitteilung.
Die Jury schreibt in ihrer Begründung: «‹Nun Dul Dega Eomne› nimmt uns mit auf eine kurze Reise zu einem Familientreffen, in dem Erwartungen und Beziehungen wieder aufgenommen werden können. Dialoge entwickeln sich als kostbare Perlen universeller und existenzieller Themen und bieten eine intensive Reflexion an über Kreativität und Kunst.»
Weiter heisst es: «Der Film erreicht eine ausserordentliche menschliche Tiefe im nur scheinbar Oberflächlichen. Mit grosser Empathie und subtilem Humor erkundet er Entfremdung und wie schwierig es sein kann, sich wirklich zu sehen und wechselseitig anzunehmen.»
Preis der Kirchen ist mit 10'000 Franken dotiert
Der Preis der Ökumenischen Jury von Locarno ist mit 10'000 Franken dotiert und wird von den Evangelisch-reformierten Kirchen und der Römisch-katholischen Kirche der Schweiz gestiftet. Die Ökumenische Jury des 79. Locarno Film Festivals bestand aus Viera Pirker, Juha Rajamäki, Sarah Stutte sowie Jean-Luc Gadreau, Frankreich.
Erstmals gab es im Jahr 1973 eine Ökumenische Jury an einem internationalen Filmfestival. Locarno war damit das erste Festival, das die christlichen Filmorganisationen in einer Jury zusammenführte. 2023 feierte die Jury ihr 50. Jubiläum und verlieh einen Ehrenpreis an den international renommierten Regisseur István Szabó.
Filme sollen positive Werte transportieren
Am Empfang der Ökumenischen Jury nahm auch Festivalleiter Giona A. Nazzaro teil. Er sprach davon, dass es in der Gesellschaft weltweit Versöhnung benötige. Es reiche nicht, sich zu entschuldigen, sondern man müsse Versöhnung suchen.
Dazu brauche es Respekt. Wo dieser fehle, stünden die Menschen sehr nah beim Abgrund. Er betonte, dass es Hoffnung brauche; denn diese diene dazu, die Zukunft zu gestalten. Er setze sich ein, dass Filme genau diese Werte transportieren sollen. (dst)