Filmfestival Locarno

Dem anonymen Samenspender auf der Spur

«Solomamma» gewinnt am Filmfestival Locarno den Preis der Ökumenischen Jury. Die Tragikomödie erzählt von einer Journalistin, die den Samenspender ihres vierjährigen Sohnes aufspürt.
Zuerst ist es nur Neugier, doch dann baut die alleinerziehende Mutter Edith eine echte Verbindung zum Samenspender ihres Sohnes auf. (Bild: BPO/ Filmfestival Locarno)

Edith ist eine von Neugier getriebene Journalistin. Ihr vierjähriger Sohn Sigurd wurde durch die Samenspende eines Fremden geboren. Die etwa vierzigjährige alleinerziehende Mutter spürt den Samenspender unter dem Vorwand auf, ihn über seine Firma zu interviewen. Nach und nach entsteht eine echte Verbindung. Doch je mehr Edith sich in ihre Lügen verstrickt, desto mehr gerät das fragile Leben ins Wanken, das sie sich aufgebaut hat.

Mit «Solomamma» konnte Janicke Askevold die Ökumenische Jury des Filmfestivals Locarno überzeugen. Die von der Berner Pfarrerin Melanie Pollmeier präsidierte Jury verlieh dem zweiten Spielfilm der norwegischen Regisseurin ihren Filmpreis. Dieser ist mit 10'000 Franken dotiert. Das Preisgeld wird von der Evangelisch-reformierten Kirche und der Römisch-katholischen Kirche der Schweiz gestiftet.

«Solomamma» werfe wichtige ethische Fragen zu Herkunft, Identität und Zugehörigkeit auf, begründet die Jury. So etwa: Wer ist der Autor des Lebens? Was ist das Wunder der Empfängnis und Geburt, wenn das Verständnis des Lebens in medizinisch-technischen Paradigmen gedacht wird? Was ist die Quelle und Verantwortung eines neuen Lebens und was sind die unkontrollierbaren Folgen einer solchen Entscheidung? Und: Kann eine «Solomamma» Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen und die Freiheit respektieren, ihre eigene, die ihres Kindes und die des Spenders?

«Dieser Film wirft Fragen zu den Bedingungen eines unabhängigen Lebens auf, bei dem man dennoch mit anderen in Verbindung bleibt», schreibt die Jury in ihrer Würdigung.

Lob für Westschweizer Film

Daneben spricht die Jury eine Empfehlung aus für «Le Lac» des Westschweizer Regisseurs Fabrice Aragno. Das Schweizer Drama zeigt ein Paar, das bei einem mehrtägigen Segelrennen auf dem Genfersee mitmacht. Der Film weiche dem Umgang mit Verlust nicht aus, sondern ringe damit, schreibt die Jury. «Die Trauer hat ihnen die Sprache verschlagen, aber sie erleben beieinander auch ohne Worte ein tiefes Verstehen, weil sie dem Schmerz bewusst entgegentreten.»

Die Ökumenische Jury entstand vor 52 Jahren am Filmfestival Locarno. Sie setzt sich aus Vertretern verschiedener Konfessionen zusammen und zeichnet Filme aus, die das Publikum für spirituelle, ethische und soziale Werte sensibilisieren. (eba)

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