Delegierten­versammlung

Lilian Stu­der steht neu an der Spitze der EVP

An ihrer Ver­samm­lung wähl­ten die Dele­gier­ten der Evangelischen Volkspartei (EVP) die Aar­gauer Natio­nal­rä­tin Lilian Stu­der zur neuen Prä­si­den­tin. Zudem beschlossen sie die Nein-Parole zur «Ehe für alle».

Ein­stim­mig wurde die Aargauer Natio­nal­rä­tin Lilian Stu­der an der Delegiertenversammlung der EVP in Bern zur neuen Par­tei­prä­si­den­tin gewählt. In ihrer Antritts­rede nannte die 43-Jährige die lang­fris­ti­gen Fol­gen der Pan­de­mie, den Kli­ma­schutz, den Dia­log mit der EU und die Gene­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit bei der Sanie­rung der Sozi­al­werke als die gros­sen Her­aus­for­de­run­gen der Schwei­zer Poli­tik, wie es in einer Mitteilung vom 19. Juni heisst.

Studer tritt die Nach­folge von Mari­anne Streiff an, die nach sie­ben Jah­ren ihr Amt zur Ver­fü­gung stellte und laut Mitteilung «mit gros­ser Dank­bar­keit für ihr enor­mes Enga­ge­ment ver­ab­schie­det wurde.»

EVP lehnt «Ehe für alle» ab

Die Dele­gier­ten fass­ten aus­ser­dem die Paro­len für die Abstim­mungs­vor­la­gen vom Sep­tem­ber: Nein sag­ten sie zur «Ehe für alle» inklu­sive Samen­spende für gleich­ge­schlecht­li­che Paare. Die «Ehe für alle» selbst wäre eine zivil­recht­li­che Ange­le­gen­heit zwi­schen zwei Men­schen, hiess es. Die Samen­spende für gleich­ge­schlecht­li­che Paare über­schrei­te jedoch für die EVP die rote Linie. Zudem kenne die Ver­fas­sung die Fort­pflan­zungs­me­di­zin auch für hete­ro­se­xu­elle Paare nur als ultima ratio bei medi­zi­nisch indi­zier­ter Unfrucht­bar­keit.

Die Ja-Parole beschlossen die Delegierten hingegen bei der 99-Prozent-Initiative. Diese verlangt, dass Kapitaleinkommen wie etwa Zinsen oder Dividenden anderthalb mal so stark besteuert werden wie Arbeitseinkommen. Das schaffe ein Stück mehr Gerech­tig­keit in der Schweiz, schreibt die EVP. Denn so werde die bis­he­rige steuerliche Pri­vi­le­gie­rung der Divi­den­den gegen­über den Löh­nen besei­tigt und der immer grös­ser wer­den­den Ungleich­heit im Land ent­ge­gengewirkt.  

Die EVP könne dieser Ungleichheit auf einem sta­bi­len Wer­te­fun­da­ment begeg­nen: «Unsere Wer­te­grund­lage, auf der wir poli­ti­sie­ren und uns für die Gesell­schaft und unser Zusam­men­le­ben ein­set­zen, ist unver­gäng­lich: Nach­hal­tig­keit, Gerech­tig­keit und Men­schen­würde», wird Lilian Stu­der zitiert.

Respekt statt Gra­ben­kämpfe

Zuvor hatte sich die abtre­tende Prä­si­den­tin Mari­anne Streiff besorgt geäus­sert über «das zuneh­mende Mass an unver­hoh­le­ner Streit­sucht und roher Gewalt» gegen Anders­den­kende, das in der direk­ten Demo­kra­tie Ein­zug gehal­ten habe. Sie rief dazu auf, Gra­ben­kämpfe zu been­den und Mei­nungs­un­ter­schiede mit Respekt, Anstand und Liebe für Gleich- und Anders­ge­sinnte aus­zu­tra­gen. «Ich bli­cke tief dank­bar auf eine Par­tei, die sich als Brü­cken­baue­rin mit einem kla­ren Pro­fil und mit Lei­den­schaft sach- und lösungs­ori­en­tiert für Mensch und Umwelt ein­setzt», sagte Mari­anne Streiff in ihrem Rück­blick auf ihre Prä­si­dent­schaft.

Mari­anne Streiff stand der EVP Schweiz wäh­rend mehr als sie­ben Jahre vor. Sie führte die Par­tei durch zwei National- und Stän­de­rats­wah­len und stiess eine ver­schlan­kende Organisations- und Struk­tur­re­form an. Zudem habe sie Pro­fil und Schwer­punkt­the­men der Par­tei geschärft und hinterlasse eine gestärkte poli­ti­sche Prä­senz der EVP in den Kan­to­nen, heisst es in der Mitteilung weiter. «Als Par­tei­prä­si­den­tin hat sie es ver­stan­den, inmit­ten von poli­ti­scher Pola­ri­sie­rung, Wer­te­ver­lust und Ero­sion der poli­ti­schen Mitte, die Par­tei immer wie­der zu einen und als authen­ti­sche Wer­te­par­tei der Mitte zu posi­tio­nie­ren», wür­digte EVP-Nationalrat und Vize-Präsident Nik Gug­ger die Arbeit von Mari­anne Streiff.

Neuer Parteivorstand

Die Dele­gier­ten bestätigten weiter Natio­nal­rat Nik Gug­ger und François Bach­mann als Vize­prä­si­den­ten. Zudem wähl­ten sie den Par­tei­vor­stand neu. Neben den bis­he­ri­gen Chris­toph Bösin­ger, Andrea Heger, Chris­tian Min­der, Lisette Müller-Jaag und San­dra Senn stos­sen neu Timon Hof­män­ner und Bar­bara Stotzer-Wyss dazu. Sie erset­zen Hans­jörg Hal­ler und Chris­tine Schnegg, die beide nicht mehr kan­di­dier­ten. (bat)