Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Braucht der Mensch Erlösung und wie übt man eigentlich die Auferstehung ein? Um diese und weitere Fragen geht es in den Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Über die Kunst der Auferstehung

Mit über neunzig Jahren denkt Jürgen Moltmann neu über Tod und Auferstehung nach. Seit 2016 seine Frau Elisabeth verstorben ist, hat sich sein Dasein radikal verändert, ist das Thema für ihn auch zum persönlichen Problem geworden. Aber nicht eine «ars moriendi» ist das Ziel seines jüngst erschienenen Essays, vielmehr eine «ars resurgendi», ein Einüben der Auferstehung. Jeder neue Anfang sei eine Auferstehung, schreibt der deutsche Theologe, und letztlich «sterben wir in die Auferstehung hinein und das Leben ist das Leben der kommenden Welt». Trost und Hoffung möchte Moltmann stiften und – mit Schleiermacher – den «Sinn und Geschmack fürs Unendliche» ausbilden.

Wer jetzt jedoch denkt, das Buch sei eine theoretische oder gar wissenschaftliche Abhandlung, sieht sich getäuscht: Moltmann verbindet in «Auferstanden in das ewige Leben» theologische Überlegungen mit persönlichen Gedanken, Lieder und Bibeltexte mit eigenen Erfahrungen. Dabei schreibt er gut verständlich und für alle Interessierten zugänglich. Eine tiefe, ehrliche und berührende Auseinandersetzung mit einem existenziellen Thema.

Jürgen Moltmann: «Auferstanden in das ewige Leben. Über das Sterben und Erwachen einer lebendigen Seele». Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2020; 112 Seiten; 18.90 Franken.

Erlöse uns (nicht)

Braucht der Mensch Erlösung? Wovon genau erhoff er sich erlöst zu werden – und durch wen oder was? Ein neuer Sammelband widmet sich diesen Fragen. Dabei beleuchten die Autoren das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven: christlich-jüdisch, biotechnologisch und ethisch. Auch die säkulare Verwendung des Erlösungsbegriff wird einbezogen. Der thematische Bogen ist also weit gespannt. Genau dadurch wird aber auch klar, dass es unendlich viele Erlösungsversprechen gibt und dass die Frage nach der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen ebenso eine konkrete Alltagsfrage wie eine besondere Herausforderung für die Theologie ist.

Der Band basiert auf der Jahrestagung 2019 der Rudolf­-Bultmann-Gesellschaft; die Vorträge stammen mehrheitlich von Theologen wie Albrecht Grözinger, Marianne Grohmann oder Volker Leppin. Daneben finden sich Beiträge wie «Erlösung durch Gentechnologien?» der Naturwissenschaftlerin Lilian Marx­-Stölting, die Einblicke in hochaktuelle Diskurse bieten. Diese Bandbreite macht das Buch zu einer spannenden, aber auch anspruchsvollen Lektüre. Wie so oft bei Sammelbänden hätte ein verbindendes Element oder zumindest ein Résumé gutgetan.

Christof Landmesser, Doris Hiller (Hg.): «Braucht der Mensch Erlösung?» EVA, Leipzig 2020; 133 Seiten; 53 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.