Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Wie veränderte sich die evangelische Gebetspraxis im Lauf der Jahrhunderte? Und was machte den Methodisten John Wesley zum Ausnahmeprediger? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Alles über das Gebet

Obwohl das Gebet im religiösen Leben eine zentrale Stellung einnimmt, wird es aus Sicht von Michael Meyer-Blanck wenig und nur punktuell erforscht. Diese Lücke will der Professor für Praktische Theologie schliessen: Unter dem schlichten Titel Das Gebet legt er eine umfassende Monografie aus evangelischer Perspektive vor. Ein überaus dichtes Buch, dessen klare Gliederung aber bei der Orientierung hilft. Eines der Kapitel ist den Phänomenen evangelischer Gebets­praxis gewidmet, mit Blick unter anderem auf Kunst, Musik oder Naturerleben. Weiter skizziert der Autor historische Darstellungen, die er mit systematischen Erwägungen fortführt und worin er beispielsweise Friedrich Schleiermachers Gebetsverständnis vorstellt, die Gebetstheologie Karl Barths oder Gerhard Ebelings. Der umfangreiche Schlussteil gehört der Praxis des Gebets: pädagogische und liturgische Aspekte, das Gebet in digitalen Medien oder das multireligiöse Gebet, um nur einige zu nennen. Michael Meyer-Blanck gelingt es in seinem Buch, Überlieferung und aktuelle Entwicklungen zu verbinden. Damit ­ermöglicht er den Lesern einen weiten Blick auf ein biblisch, kulturell wie existenziell bedeutsames Thema.

Michael Meyer-Blanck: Das Gebet. Mohr Siebeck, Tübingen 2019; 435 Seiten; 65 Franken.

Annäherung an einen Ausnahmeprediger

Mit John Wesley und seiner Theologie befassen sich meist englischsprachige Publikationen. ­Beachtenswert ist daher die Neuerscheinung des Schweizers Patrick Philipp Streiff, Bischof der evangelisch-methodistischen Kirche. Sein Buch über den prominentesten Begründer der methodistischen Erneuerungsbewegung wurde zuerst auf französisch publiziert und liegt nun in deutscher Übersetzung vor. Der Fokus liegt auf den 151 erhaltenen Predigten Wesleys, die sich über einen Zeitraum von 1725 bis zu seinem Tod 1791 erstrecken. In den zahlreich zitierten Quellentexten kommt er selber zu Wort. Das schafft eine Unmittelbarkeit, die auch von der Sache her stimmig ist. Denn Wesley hat nicht durch eine Dogmatik oder ein spezifisches Bekenntnis Akzente gesetzt, sondern vor allem durch seine Wortverkündigung. Um die 50’000 Mal soll er in seinem Leben gepredigt  haben. Alle Quellentexte, die Streiff in seinem Buch anführt, ordnet er historisch und theologisch ein. Das macht Wesleys Theologie mit ihren Konstanten und Veränderungen zugänglich und gibt zudem Einblick in das Leben des Erweckungspredigers und Sozialreformers.

Patrick Philipp Streiff: John Wesley: Theologie in Predigten. eva, Leipzig 2019; Reutlinger Theologische Studien Band 1; 201 Seiten; 55 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende
Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.