Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Wie wichtig sind die antiken Sprachen für das Theologiestudium? Und welche Rolle spielen biblische Themen in der deutschsprachigen Lyrik? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Unverzichtbar fürs Verstehen der Bibel

Getreu dem Motto «zu den Quellen – ad fontes» wurden an der Universität Wittenberg 1518  sieben Lehrstühle für Hebräisch und Griechisch eingerichtet. Sie sollten dazu dienen, die biblischen Bücher in ihrem Urtext erschliessen zu können. Heute jedoch geraten die antiken Sprachen, die noch immer am Anfang des evange­lischen Theologiestudiums stehen, zunehmend unter Druck. In Heilige Sprachen? beziehen Vertreter verschiedener theologischer Disziplinen Stellung. Zumindest Griechisch und Hebräisch betrachten alle als unverzichtbare Voraussetzung, denn Ziel der sprachlichen Bemühungen sei letztlich der selbständige Umgang mit der Bibel, unabhängig von Auslegern oder Instanzen. Autoren wie der Neutestamentler Christfried Böttrich plädieren aber für Anpassungen im Sprachunterricht und führen ihre Vorschläge aus. Die Beiträge des Buches beziehen sich zwar auf deutsche Studienverhältnisse, bieten aber auch Anregungen für die Diskussion in der Schweiz. Lesenswert ist zudem der kurze historische Abriss von Johannes Schilling, bei dem deutlich wird, dass die Sprachenfrage die Theologie schon seit Jahrhunderten beschäftigt.

Dietrich Korsch, Johannes Schilling (Hg.): Heilige Sprachen? Zur Debatte um die Sprachen der Bibel im Studium der Theologie. EVA, Leipzig 2019; 131 Seiten; 28.70 Franken.

Bibelworte aus Dichtermund

Eine einzigartige Sammlung von 164 deutschsprachigen Gedichten hat Georg Langenhorst in seinem Buch Und er spricht mit leisen Deute­worten … zusammengestellt. Sie alle behandeln Motive aus dem Alten oder dem Neuen Testament. Zu diesen zentralen Gestalten und Erzählungen präsentiert der Herausgeber jeweils vier Gedichte. Das breite Spektrum an Beiträgen aus der Zeitspanne vom 17. bis zum 21. Jahrhundert zeichnet die Vielfalt der Zugänge nach, durch die biblische Themen und Bilder Eingang in die deutschsprachige Lyrik gefunden haben. Bemerkenswert ist zudem, dass der Autor zahlreiche bislang kaum beachtete Texte der Gegenwart in sein Buch aufgenommen hat. Georg Langenhorst hat Theologie, Germanistik und Anglistik studiert. Diese interdisziplinäre Kompetenz merkt man dem Buch an: Die Auswahl zeugt von grosser Fachkenntnis, ist sorgfältig und dabei doch überraschend. Für Leserinnen klassischer und moderner Lyrik und für alle, die an der Rezeptionsgeschichte der Bibel ­interessiert sind, ist diese Neuerscheinung eine Trouvaille.

Georg Langenhorst (Hg.): Und er spricht mit leisen Deuteworten … 164 Gedichte zu biblischen Themen, Motiven und Figuren. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2019; 296 Seiten; 28.90 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.