Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Wie pluralismusfähig sind die Religionen? Und was können wir heute noch von den Hugenotten lernen? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Same same, but different

Religiöse Vielfalt fordert die Religionen heraus, ihr Selbstverständnis zu überdenken und den Anspruch auf Alleingültigkeit aufzugeben. Dieser Prozess hat nach Ansicht des Theologen und Religionswissenschaftlers Perry Schmidt-Leukel innerhalb der grossen Religionen bereits begonnen. In seinem Buch Wahrheit in Vielfalt, der deutschen und erweiterten Fassung der Gifford Lectures, plädiert er daher für ein Verständnis von Theologie als eine gemeinsame, interreligiös durchzuführende Aufgabe. Hilfreich dabei sei, dass die Unterschiede und Gegensätze zwischen den Religionen sich auch innerhalb der eigenen religiösen Tradition, ja sogar beim einzelnen Gläubigen wiederfinden, der im Laufe seines Lebens unterschiedliche Formen von Religiosität durchlebt. Perry Schmidt-Leukels Thesen sind ein international beachteter und lesenswerter Beitrag zur Pluralismusfähigkeit der Religionen und zu den damit verbundenen Implikationen. Es liegt in der Konsequenz seiner Ausführungen, dass sich Theologie in Zukunft zunehmend in Form eines «globalen interreligiösen Kolloquiums» vollziehen wird.

Perry Schmidt-Leukel: Wahrheit in Vielfalt. Vom religiösen Pluralismus zur interreligiösen Theologie. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2019; 416 Seiten; 47.90 Franken.

Die Hugenotten und die Migration

Die Hugenotten sind die wohl bekannteste Migrantengruppe der Frühen Neuzeit. Die französischen Protestanten orientierten sich an der Reformation Johannes Calvins und entwickelten eine eigenständige religiöse Kultur. Alexander Schunka, Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit, schildert in seinem neusten Buch deren spannungsreiches Verhältnis zum Königtum und zu der dominierenden römisch-katholischen Kirche. Bis heute ein Begriff sind die dramatischen Ereignisse der Bartholomäusnacht im Jahr 1572, als einige Tausend Menschen den Tod fanden. In der Folge verliessen zahlreiche Hugenotten das Land und siedelten sich anderswo an. Der Autor zeichnet ebenso knapp wie gut verständlich das Bild einer grenzüberschreitenden Gemeinschaft, deren Spuren noch heute zu finden sind. Nachvollziehbar zeigt er zudem zentrale Mechanismen von Migration auf, von Lebensbewältigung an Zuwanderungsorten oder von Ängsten der aufnehmenden Bevölkerung. Damit leistet das Buch auch einen Beitrag zum Verständnis einiger zeitgenössischer Probleme.

Alexander Schunka: Die Hugenotten. Geschichte, Religion, Kultur. C.H. Beck, München 2019; Beck’sche Reihe Wissen 2892; 128 Seiten; 14.50 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende
Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.