Kritik an Verteilung der Spendengelder von Brot für alle

Das Hilfswerk Brot für alle sammelt nicht nur für sich selber Spenden, sondern verteilt einen Teil davon auch an Missionswerke wie Mission 21 oder an das Hilfswerk Evangelischer Kirchen Schweiz (Heks). Dieser Geldfluss werde aber immer kleiner, monieren Kritiker. Manche Missionswerke mussten deshalb wichtige Arbeiten einstellen.


Die Stiftung Brot für alle gehört zu den bekanntesten Sammel- und Hilfswerken der Schweiz. Letztes Jahr erwirtschaftete sie einen Ertrag von über 17 Millionen Franken. Doch nun wird Kritik an der Organisation laut. «Brot für alle hat sich zusehends in seinem Selbstverständnis von seinem solidarischen Sammelauftrag für die Hilfs- und Missionswerke gelöst. Die anderen Hilfswerke mussten deshalb schwerwiegende Kürzungen verkraften», sagt Heinz Fäh, Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen, gegenüber ref.ch.

Bereits an der letzten Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) im Juni hat sich Fäh zum Thema geäussert. Hintergrund ist, dass Brot für alle neben eigenen Projekten auch andere kirchliche Werke wie Mission 21 oder das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) mit den gesammelten Spendengeldern unterstützt. Dies laut Fäh jedoch immer weniger. Dass Brot für alle an der Abgeordnetenversammlung überhaupt zum Thema wurde, liegt daran, dass das Hilfswerk vom SEK direkt mandatiert ist.

«Markante Reduktion»

Auf Anfrage von ref.ch bestätigt Mission 21, weniger Geld von Brot für alle zugesprochen bekommen zu haben. Waren es 2015 noch 1,2 Millionen Franken, seien es zwei Jahre später 500 000 Franken für die Projektarbeit gewesen. «Die markante Reduktion hat zur Folge, dass wichtige Arbeiten nicht mehr möglich sind», sagt Christoph Rácz, Mediensprecher des evangelischen Missionswerkes.

Auch Heks spürt Rückgang

Auch beim Heks ist weniger Geld von Brot für alle angekommen. «Natürlich ist es aus unserer Sicht wie wohl auch für die anderen Partner von Brot für alle bedauerlich, dass von ihnen weniger Mittel fliessen», sagt Heks-Mediensprecher Dieter Wüthrich. «Die Gründe für diesen Rückgang wie auch die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen müssen zweifellos diskutiert werden.» Man diese Diskussion direkt mit Brot für alle führen und nicht über die Medien.

Gelder sind zweckgebunden

Brot für alle wehrt sich gegen den Vorwurf, auf Kosten der anderen Hilfswerke mehr Geld in die eigene Organisation gesteckt zu haben. «Richtig ist, dass Brot für alle Einnahmen bei Privatspenderinnen und institutionellen Geldgebern für die eigene entwicklungspolitische Arbeit gewinnen konnte. Diese sind zweckgebunden und dürfen nicht mit den Geldern der kirchlichen Sammlungen für die Werke vermischt werden», sagt Urs Walter, Mediensprecher von Brot für alle. Insofern werde hier eine falsche Korrelation hergestellt zwischen Rückgang der Spenden der kirchlichen Sammlung und Mehrinvestitionen in das Programm von Brot für alle, die durch andere Geldgeber finanziert werden.

Sowieso würden freie Mittel, die während der ökumenischen Kampagne gesammelt und an andere Hilfswerke verteilt werden, nur gerade zwei Prozent der Ausgaben für Projekte und Programme der Partnerwerke Mission 21, DM-échange und Heks ausmachen.

Laut Heinz Fäh soll das Thema dennoch bei der nächsten Abgeordnetenversammlung im November traktandiert werden. Grundsätzlich hält er fest: «Die Missionswerke haben am Spendermarkt eine schwierigere Position, weil sie religiös konnotiert sind.»

Dieser Beitrag erschien erstmals in leicht gekürzter Form in bref, dem Magazin der Reformierten.