«Brot für alle» erhebt Vorwürfe gegen LafargeHolcim

LafargeHolcim bezieht aus Uganda keine Rohstoffe mehr, die aus Kinderarbeit stammen. Die Kinder jedoch blieben mit gesundheitlichen Problemen, ohne Einkommen und ohne Ausbildung zurück, kritisiert «Brot für alle». Das Hilfswerk will den Schweizer Zementkonzern in die Pflicht nehmen.

In diesen Minen in der Region Harugongo im Südwesten von Uganda arbeiten Kinder und Jugendliche mit.
In diesen Minen im Südwesten von Uganda sollen Kinder und Jugendliche mitgearbeitet haben. (Bild: Twerwaneho Listeners‘ Club TLC)

Über zehn Jahre lang hat der Schweizer Zement-Multi LafargeHolcim aus den Steinbrüchen in Uganda den Rohstoff Puzzolan bezogen, der offenbar auch von Kindern abgebaut wurde. Die lokalen Schürfbetriebe lieferten an die Hima Cement Limited, eine Tochterfirma von LafargeHolcim. Dies enthüllte vor gut einem Jahr die französische Zeitung «Le Monde». Der Konzern reagierte: Seit Januar kauft LafargeHolcim den Rohstoff nur noch aus mechanisierten Steinbrüchen, die ausschliesslich Erwachsene anstellen.

Keine Ausbildung, kein Geld

Doch nun schreibt das Hilfswerk «Brot für alle» (Bfa), dass ausgerechnet die ehemaligen Kinder-Arbeiter die Verlierer dieser Massnahme seien. Bfa bezieht sich dabei auf eine Befragung, die seine Partnerorganisation TLC zwischen März und November 2016 in Uganda durchführte. Demnach sei die gefährliche, körperlich anstrengende Arbeit in den Steinbrüchen mit schweren gesundheitlichen Schäden verbunden. Zudem stünden rund 150 Kinder jetzt ohne Verdienst und Ausbildung da, weil sie wegen der Arbeit im Steinbruch nicht zur Schule gehen konnten. Dafür müsse LafargeHolcim die Verantwortung übernehmen und Wiedergutmachung leisten.

«Der Konzern hat jahrelang Profit auf Kosten der Kinder erwirtschaftet», sagt Yvan Maillard Ardenti, bei Bfa zuständig für Unternehmen und Menschenrechte. Es reiche darum nicht, wenn LafargeHolcim die Zusammenarbeit mit den Betrieben, die Kinder beschäftigten, einfach beende. «Mit dem Rückzug begrenzt der Konzern lediglich den Schaden an seinem Ruf. Es werden keine Massnahmen umgesetzt, um den Kindern eine angemessene Zukunft zu ermöglichen», heisst es im Bericht zur Befragung.

LafargeHolcim bestreitet die Vorwürfe von Bfa. Es gebe keine Hinweise auf Kinderarbeit bei der Tochterfirma Hima Cement und ihren Zulieferern. Dies habe eine Untersuchung gezeigt, die der Konzern aufgrund der Enthüllungen von «Le Monde» durchführen liess, schreibt das Unternehmen in seiner Stellungnahme. Bfa habe keine Beweise für die Zahl von 150 Kinderarbeitern in der Region Harugongo vorlegen können.

Die Spitze des Eisbergs

Das Hilfswerk verweist auf die Sorgfaltspflicht, welche die Uno in ihren Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verlangt. Freiwillige Vereinbarungen der Konzerne, wie sie der Bundesrat im Januar in seinem Bericht zur Kinderarbeit vorgeschlagen hat, genügen für Bfa als Anreiz nicht, um Kinderarbeit wirksam zu bekämpfen. Es brauche gesetzliche Regelungen. Der Fall LafargeHolcim sei bloss die Spitze des Eisbergs, betont Yvan Maillard Ardenti. «Auch andere grosse Schweizer Unternehmen müssen auf Kinderarbeit verzichten.»

Der Konzern sei sich seiner Verantwortung bewusst, hält LafargeHolcim dagegen. In der Harugongo Primarschule baue das Unternehmen sanitäre Einrichtungen für die Kinder. Zudem engagiere es sich für verschiedene Programme der SOS Kinderdörfer. Dazu Yvan Maillard Ardenti: «Diese Programme genügen nicht. LafargeHolcim muss seine Verantwortung wahrnehmen und abklären, was die 150 betroffenen Kinder und Jugendlichen brauchen. Das Unternehmen muss den Jüngeren den Schulbesuch und den älteren eine Berufsausbildung ermöglichen.»

Hoffen auf die Volksinitiative

Eine gesetzlich geregelte Sorgfaltspflicht für Schweizer Konzerne, die weltweit tätig sind, ist «Brot für alle» schon lange ein Anliegen. Die Konzernverantwortungsinitiative soll ihm zum Durchbruch verhelfen. Sie sieht vor, dass Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden haften, die ihre Tochterfirmen im Ausland verursachen. Die Initianten, zu denen neben Bfa auch andere kirchliche Organisationen gehören, reichten das Volksbegehren im vergangenen Oktober mit 120 000 Unterschriften bei der Bundeskanzlei in Bern ein.

 

Karin Müller/Kirchenbote

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».