Kirchenfusion

Kriens prüft die Abspaltung

Die Reformierte Kirchgemeinde Luzern besteht aus mehreren Teilkirchgemeinden. Eine davon ist Kriens. Diese erwägt nun, einen eigenen Weg zu gehen. Davon erhofft sie sich mehr Selbstbestimmung.

Werden die Reformierten in Kriens bald wieder Miglied einer eigenen Kirchgemeinde sein? Zumindest gibt es Bestrebungen in diese Richtung. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Bei den Reformierten Kirchgemeinden sind in jüngster Zeit Fusionen das grosse Thema gewesen. Ob in Zürich oder Bern, kleinere Kirchgemeinden schlossen sich zu grösseren zusammen. In Luzern gibt es derweil gegenteilige Bestrebungen. Zumindest bei der Teilkirchgemeinde Kriens. Diese prüft den Weg der Eigenständigkeit.  

Im Fokus steht dabei die mangelnde Rechtspersönlichkeit, wie Präsidentin Verena Marti auf Anfrage von ref.ch sagt: «Wir sind in den wichtigsten Belangen abhängig von der Leitung der Reformierten Kirchgemeinde Luzern». Damit meine sie etwa Gehaltseinstufungen von Personal, Überstundenentschädigungen oder Gebäudeunterhalt.

Gerade im Umgang mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen habe man in jüngster Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht. «Eine Eigenständigkeit würde die Entscheidungswege wesentlich verkürzen, und die Kirchenpflege könnte über Stellenprozente der Angestellten selbst entscheiden. Die Wertschätzung der Angestellten würde erhöht und somit eine bessere Zufriedenheit erreicht. Durch die schlankeren Strukturen, würden zudem die Verwaltungskosten sinken und Kriens könnte alleine entscheiden, wofür die Kirchensteuern der Reformierten von Kriens verwendet werden.

Luzern sucht konstruktiven Dialog

Der Kirchenvorstand der Reformierten Kirche Luzern bedauert die Entwicklung in Kriens, wie er in einer Stellungnahme festhält. Er habe der Kirchenpflege mehrfach seine Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft bekräftigt. Diese Bereitschaft zum konstruktiven Dialog bleibe bestehen.  Er sei überzeugt, dass die Kirchgemeinde Luzern mit ihrer dezentralen Organisationsform sinnvoll, zukunftsfähig und nachhaltig sei.

«Dass bei einer Eigenständigkeit beispielsweise der Verwaltungsaufwand kleiner ist, ist nicht gesichert», sagt Christa Wenger, Präsidentin der Kirchgemeinde Luzern, auf Anfrage. Gerade die geteilten Verwaltungskosten sprächen – nicht nur in Luzern – für eine Fusion von Kirchgemeinden. «Ausserdem wird die Administration einer Kirchgemeinde immer anspruchsvoller. Es ergibt Sinn, diese zu zentralisieren und zu professionalisieren.» Zudem könnten die Teilkirchgemeinden im Grossen Kirchenrat – dem Parlament der Kirchgemeinde – mitbestimmen, was mit den Steuereinnahmen geschehe. 

Andere Kirchgemeinden fühlen sich wohl

Zurzeit besteht die Kirchgemeinde Luzern mit ihren rund 18'700 Mitgliedern aus acht Teilkirchgemeinden. Es sind dies: Buchrain-Root, Ebikon, Emmen-Rothenburg, Kriens, Littau-Reussbühl, Malters, Rigi-Südseite und Stadt Luzern. Die Teilkirchgemeinden haben Autonomie in der Ausgestaltung ihres Gemeindelebens, ihr Personal wählen sie eigenständig aus. Die Rechtspersönlichkeit liegt jedoch bei der Gesamtgemeinde. 

Im Gegensatz zu Kriens fühlen sich andere Teilkirchgemeinden wohl mit dieser Aufteilung der Kompetenzen. Zur «Luzerner Zeitung» (LZ) sagt Walter Stucki, Präsident der Kirchenpflege Emmen-Rothenburg: «Unter dem Dach der Kirchgemeinde Luzern können wir uns als Teilkirchgemeinde den rein kirchlichen Belangen zuwenden und das Gemeindeleben gestalten». Auch an Mitsprachemöglichkeiten mangele es nicht, so Stucki. Für ihn sei ein Austritt aus der Gemeinschaft, aus Steuerertragsgründen oder anderen Problemen, gar reiner Egoismus, der in der Kirche keinen Platz habe. Auch in Ebikon gibt es keine Abspaltungspläne. Pfarrer Thomas Steiner sagt in der LZ: «Wenn weitere zahlkräftige Gemeinden austreten, werden wir über neue Lösungen, wie einer Fusion mit Nachbargemeinden nachdenken und mit der Kirchgemeinde Luzern in den Dialog treten müssen.»

Handlungsbedarf sieht dagegen Albert Schwarzenbach, Vizepräsident der Kirchgemeinde Stadt Luzern. Er hat als Mitglied des Grossen Rates eine Interpellation eingereicht. Schwarzenbach will vom Kirchgemeinde-Vorstand wissen, wie dieser die Zukunft der Kirchgemeinde Luzern sieht. Geht es nach Schwarzenbach, sollen die Abläufe zwischen Kirchgemeinde und Teilkirchgemeinden effizienter werden. Zudem sollen mittelfristig Kompetenzen von der Kirchgemeinde zu den Teilkirchgemeinden verschoben werden.

Landeskirche will vermitteln

Bei der Reformierten Landeskirche des Kantons Luzern wartet man derweil ab. «Wir beachten den Grundsatz der Solidarität. Dementsprechend nimmt die Landeskirche eine neutrale Rolle ein», heisst es in einer Stellungnahme. Die Landeskirche unterstütze beide Seiten während dieses anspruchsvollen Prozesses rechtlich, politisch und kommunikativ. «Dabei ist es wichtig, dass der Dialog geführt wird.»

Wie nun Kriens weiter vorgeht, ist offen. «Wir möchten nochmals das Gespräch mit dem Kirchenvorstand der Kirchgemeinde Luzern suchen», sagt die Krienser Präsidentin Verena Marti. Sollte man zu keiner Übereinkunft kommen, werde man den angedachten Weg weiter verfolgen. Sicher ist, dass über eine Eigenständigkeit letztlich die Reformierten Mitglieder der Teilkirchgemeinde Kriens an der Urne entscheiden müssten.