Krieg im Nahen Osten

Israel beginnt grossen Militäreinsatz im Westjordanland

Kurz nach Beginn der Waffenruhe im Gazastreifen hat Israel eine Offensive gegen militante Palästinenser im Westjordanland gestartet. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden bisher zehn Menschen getötet und Dutzende verletzt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat einen umfangreichen und bedeutenden Militäreinsatz zur «Bekämpfung des Terrorismus» im Westjordanland angekündigt. Medienberichten zufolge drangen Bodentruppen und Spezialeinheiten in die Stadt Dschenin ein, das als Hochburg radikaler Palästinenser gilt. Es habe auch Drohnenangriffe gegeben. Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde, die mehrere Wochen lang selbst gegen Militante im Einsatz gewesen waren, zogen sich nach palästinensischen Angaben zuvor zurück.

Bisher kamen infolge der israelischen Offensive zehn Menschen ums Leben, über vierzig sind laut palästinensischen Angaben verletzt worden. Insgesamt belaufe sich die Zahl der Toten im Westjordanland seit dem Terrorüberfall der Hamas am 7. Oktober 2023 auf knapp 830 Menschen.

Das Vorgehen der israelischen Streitkräfte in Dschenin erfolgt in einem angespannten Moment. So habe die geschwächte Hamas ihre Bemühungen zur Bewaffnung radikaler Palästinenser im Westjordanland verstärkt, um eine weitere Front gegen Israel zu eröffnen, sagten Analysten der «New York Times». Gleichzeitig griffen radikale israelische Siedler nach Beginn der Waffenruhe im Gazastreifen vermehrt palästinensische Dörfer im Westjordanland an. Israelischen Medienberichten zufolge setzten die vermummten Siedler in den Dörfern Gebäude und Fahrzeuge in Brand.

Israel hatte während des Sechs-Tage-Krieges 1967 unter anderem das Westjordanland, den Gazastreifen und Ost-Jerusalem erobert. Im Westjordanland leben inmitten von drei Millionen Palästinensern inzwischen etwa eine halbe Million israelischer Siedler. Einschliesslich Ost-Jerusalems sind es sogar 700'000 Siedler. Der UN-Sicherheitsrat hatte 2016 die Siedlungen als eine Verletzung des internationalen Rechts bezeichnet und Israel aufgefordert, sämtliche Siedlungsaktivitäten in den Palästinensergebieten zu stoppen. (sda/ pef)

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