Kommt der europäische Kirchentag nach Zürich?

Die Zürcher Synodalen haben an ihrer Sitzung über einen europäischen Kirchentag debattiert. Dass ein solcher stattfinden soll, wurde mehrheitlich begrüsst – doch beim Standort Zürich gibt es noch einige Fragezeichen.

Blick auf die Zwingli-Stadt: Könnte hier der europäische Kirchentag stattfinden? (Bild: Keystone)

Ein europäischer Kirchentag soll «den Glauben sichtbar machen» und «ein Zeichen setzen für ein friedensstiftendes und versöhnendes Christentum», so heisst es in einem Dokument des Zürcher Kirchenrates. Stattfinden würde der Grossanlass zwischen 2022 und 2025. Auch einen international tätigen Verein, der das Projekt einer «European Christian Convention» vorantreiben soll, gibt es bereits.

Noch völlig offen ist dagegen der Austragungsort. Geht es nach dem reformierten Kirchenrat, könnte sich auch Zürich dafür eignen. Ein entsprechender Antrag wurde von der Synode der Reformierten Kirche Kanton Zürich am 28. November im Sinne einer Aussprache debattiert.

Zweifel an den veranschlagten Kosten

In der Diskussion zeigte sich, dass die Mehrheit der Synodalen die Idee eines europäischen Kirchentags begrüsst. Zu reden gaben aber die Kosten, die auch mit dem hochpreisigen Standort Zürich zusammenhängen. Gemäss einer Mitteilung der Kantonalkirche bezweifelte etwa die Synodale Elisabeth Scholl, dass der Anlass in dem Kostenrahmen durchzuführen sei, der vom Kirchenrat skizziert wurde.

Sollte Zürich Austragungsort werden, rechnet der Kirchenrat mit einem Gesamtbudget von 15 Millionen Franken. Davon hätte die reformierte Landeskirche 4 Millionen zu tragen. Daneben setzt der Kirchenrat auf die Unterstützung von europäischer Ebene und vom Bund (rund 5 Millionen) sowie von Stadt und Kanton Zürich (rund 2 Millionen).

Gemäss Jeannette Behringer, der Beauftragten des Kirchenrates für das Projekt, handelt es sich bei den genannten Zahlen allerdings um ein «Modellbudget». Konkrete Gespräche mit möglichen weltlichen Partnern würden erst dann aufgenommen, wenn der Kirchentag tatsächlich nach Zürich kommen sollte. «Wir sind aber überzeugt, dass wir das nötige Geld mit einem professionellen Fundraising zusammenbekommen würden», so Behringer.

Nur als ökumenisches Projekt

Vorgesehen ist ausserdem, dass auch die katholische Landeskirche 4 Millionen Franken beisteuern würde. Mit ihr sei man schon länger im Gespräch, sagt Behringer. Dies, weil ein europäischer Kirchentag in Zürich für die reformierte Kirche «ausschliesslich als ökumenisches Projekt denkbar» sei.

Die Idee einer ökumenischen Trägerschaft fand auch bei den Synodalen Anklang. Zudem wurde angemerkt, dass der Anlass möglichst breit und basisnah stattfinden soll.

Ob sich Zürich tatsächlich um die Austragung bewirbt, wird frühstens im Juni 2018 entschieden. Zuvor sollen nun ein Finanzplan und eine erste Rahmenplanung erarbeitet werden.

Steuereinnahmen steigen an

Das zweite grosse Traktandum neben dem europäischen Kirchentag war der Voranschlag für das Jahr 2018. Laut Mitteilung wurde dieser ohne Gegenstimme und nach «relativ kurzer Debatte» genehmigt, was an «den ermutigenden Zahlen» liegen dürfte. So budgetiert die reformierte Landeskirche einen Ertragsüberschuss von 865’000 Franken. Die Steuereinnahmen der Kirchgemeinden sollen um 2 Millionen höher als letztes Jahr ausfallen und rund 69 Millionen in die Kasse spülen.

Allerdings ziehen bereits dunkle Wolken am Horizont auf: Der Finanzplan rechnet mit sinkenden Steuereinnahmen ab 2019. Ab 2020, dem voraussichtlichen Umsetzungsjahr der neuen Vorlage über die Unternehmenssteuern, wird gar einen Rückgang um 7,5 Prozent prognostiziert.

Gesprochen wurden mit dem Budget auch die Beiträge zum Reformationsjubiläum (849’000 Franken) sowie für den Strukturprozess «Kirchgemeinde plus» (1’959’500 Franken).

Simone Schädler erste Präsidentin

Ab nächstem Jahr liegt die Leitung des Zürcher Kirchenparlaments zum ersten Mal in Frauenhand. Nach dem Rücktritt von Kurt Stäheli wurde am 28. November Simone Schädler zur Präsidentin der Synode gewählt. Schädler kommt aus Illnau-Effretikon, ist 43-jährig und Wirtschaftswissenschaftlerin.

Bewilligt wurden an der Synode zudem die Zusammenschlüsse der Kirchgemeinden Buchs, Dällikon-Dänikon und Regensdorf zur Kirchgemeinde Furttal sowie der Kirchgemeinden Bachs und Stadel zur neuen Kirchgemeinde Stadlerberg. (vbu)