Reformierte Zürich: Zwingli in zwei und drei Dimensionen

Die Zürcher Synode beschliesst einen Zusatzkredit für den geplanten Zwingli-Film und freut sich über ein Kunstprojekt zum Reformationsjubiläum, das den Reformator als Zeitgenossen zeigt. Die frohen Aussichten auf das Jubiläumsjahr 2017 werden aber durch die Besorgnis um die Finanzen getrübt.

Kartenmotiv zum Reformationsjubiläum mit dem Zwingli-Zitat: «Was aber Gott ist, das wissen wir aus uns ebensowenig, wie ein Käfer weiss, was der Mensch ist.» (Illustration: Daniel Lienhard)

Der Zwingli-Film soll eine grosse Kiste werden: Rund 5,2 Millionen Franken dürfte das Porträt des Reformators kosten, das Regisseur Stefan Haupt («Der Kreis») für die Produktionsfirma C-Films («Schellen-Ursli») dreht. Die Stoffentwicklung wurde letztes Jahr durch die Zürcher Kantonalkirche mit einem Beitrag von 50’000 Franken angestossen. Nun genehmigte das Kirchenparlament ohne Gegenstimme einen Zusatzkredit über 200’000 Franken an die Herstellungskosten.

Kein Personenkult um Zwingli

In der Diskussion äusserte Thomas Illi aus Bubikon leise Bedenken, dass die Zürcher mit Zwingli in denselben Personenkult verfallen könnten wie die Deutschen mit Luther. Kirchenratspräsident Michel Müller zerstreute diese mit dem Verweis auf das Drehbuch von Simone Schmid («Der Bestatter»): Der Reformator sei durchaus im Spannungsfeld seiner Zeit, seiner Familie und seiner Persönlichkeit dargestellt. Und selbst wenn der Film Anlass zu Diskussionen geben sollte, würde Müller dies begrüssen, weil es für Aufmerksamkeit sorge. Öffentliche Aufmerksamkeit hat das Filmprojekt bereits im Vorfeld erregt, unter anderem dank der prominenten Beteiligten. So sieht der «Blick» schon einen «Blockbuster über den Zürcher Kirchenrevolutionär» im Entstehen.

Ein kleineres Jubiläumsprojekt durften die Abgeordneten zu Beginn der Synode am 29. November begutachten, ein Kartenset mit Illustrationen des Künstlers Daniel Lienhard zu Zitaten aus Zwinglis Werk. Die in 3-D-Technik gestalteten Bilder nehmen die Textauszüge in ironischer Weise auf und zeigen den Reformator in moderner Umgebung, unter anderem als Cabriofahrer, Tabletnutzer oder Facebookleser.

«Die Synode ist in Besorgnis»

Weniger Gefallen fanden die Kirchenparlamentarier an der nachmittäglichen Finanzdebatte. Zwar wurde das Budget 2017 einstimmig durchgewunken. Es rechnet mit einem Minus von 446’400 Franken bei einem Aufwand von rund 108,5 Millionen Franken. Die Mehrausgaben betreffen vor allem die ausserordentlichen Projekte von KirchGemeindePlus und das Reformationsjubiläum. Zugleich billigte die Synode den unveränderten Beitragssatz von 3.20 für die Zentralkasse.

Die anschliessende Diskussion über den Finanzplan der Jahre 2018 bis 2021 zog sich allerdings wegen zahlreicher kritischer Voten in die Länge. Insbesondere wurde die rückläufige Entwicklung des Eigenkapitals ab 2019 hervorgehoben. Neben den strukturellen Problemen droht der Kirchenkasse ein millionenschweres Loch durch die Unternehmenssteuerreform III, die im nächsten Februar zur eidgenössischen Volksabstimmung gelangt. «Die Synode ist in Besorgnis», fasste Karl Stengel aus Meilen die allgemeine Befindlichkeit zusammen. So nahmen die Abgeordneten den Finanzplan nur ablehnend zur Kenntnis, mit 46 zu 30 Stimmen bei 25 Enthaltungen.

Finanzvorsteherin Katharina Kull erklärte daraufhin, der Kirchenrat teile die Besorgnis, und forderte die Synode zugleich auf, künftige Sparmassnahmen mitzutragen, die etwa die Zusammenlegung von Gemeinden im Rahmen von KirchGemeindePlus vorsehen. Zudem will der Kirchenrat in Kürze gemeinsam mit der katholischen Kirchenleitung des Kantons eine Stellungnahme zur geplanten Umsetzung der Unternehmenssteuerreform III in Zürich abgeben.