Kolumbien

Letzte Anführer der Farc-Guerilla zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt

Das Sondergericht für Frieden hat ein erstes Urteil zur Aufarbeitung des Krieges in Kolumbien gefällt. Dabei steht nicht die Bestrafung im Vordergrund.

In Kolumbien hat das Sondergericht für Frieden ein erstes Urteil gefällt. Die letzte Führungsriege der 2016 aufgelösten Farc-Guerilla ist zu acht Jahren gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Während einer live übertragenen Verlesung des Urteils erklärte das Gericht die sieben Männer für Kriegsverbrechen verantwortlich, die durch die Farc begangen wurden – darunter Folter, Entführung, Vertreibung und Ermordung.

Die Farc-Anführer hatten ihre Verantwortung im Rahmen des Friedensprozesses eingestanden. Das fünfköpfige Gericht erklärte die Entscheidung als «historisch». Die ehemalige Führung der Farc müsse die gemeinnützige Arbeit leisten, um auf symbolische Weise Wiedergutmachung zu leisten.

Dazu gehören unter anderem die Suche nach verschwundenen Personen und die Räumung von Anti-Personen-Minen. Durch Fussfesseln solle der Standort der Verurteilten erfasst werden. Eine Gefängnisstrafe bleibt ihnen erspart, weil sie mit dem Gericht kooperiert und ihre Verbrechen eingestanden haben.

Das Sondergericht für Frieden ist 2016 im Zuge des Friedensvertrags zwischen Regierung und Farc eingerichtet worden. Schwerpunkt des Gerichts sind die Wahrheitsfindung und die Aufarbeitung des Krieges, weniger die Bestrafung der Täter.

Sieben Jahre lang beschäftigte sich das Gericht mit dem Fall, bei dem es vor allem um die Entführungen der Farc ging – eine gängige Praxis im kolumbianischen Krieg. Insgesamt fast 22’000 Opfer wurden identifiziert, mehr als 4300 von ihnen haben vor dem Gericht ausgesagt.

Bei dem seit den 1960 anhaltenden bewaffneten Konflikt zwischen Staat, Guerillagruppen und paramilitärischen Milizen wurden etwa 300'000 Menschen getötet und rund sieben Millionen vertrieben. (epd/ gab)

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