Schweres Erdbeben

Kirchen stürzen ein, als in Kolumbien die Erde bebt

Bei einem verheerenden Erdbeben in Kolumbien sind mindestens 130 Menschen ums Leben gekommen. In den sozialen Netzwerken kursieren Videos von einstürzenden Gebäuden und Kirchen. Schweizer Hilfswerke bereiten sich auf ihre Einsätze vor.
Beim Erdbeben stürzte ein Turm der Kathedrale von Manizales ein. (Bild: John Jairo Bonilla / Keystone)

Kolumbiens Präsident Abelardo de la Espriella hat nach dem schweren Erdbeben der Stärke 7,4 mit mindestens 130 Toten einen landesweiten Notstand ausgerufen. Alle institutionellen Kapazitäten würden mobilisiert, um angemessen auf die Katastrophe reagieren zu können, sagte De la Espriella, der erst seit drei Tagen im Amt ist. «An erster Stelle steht die Rettung der Menschen, die unter den Trümmern begraben sind», sagte der Staatschef.

Mehr als 1500 Wohnhäuser sind den offiziellen Angaben zufolge in mehreren Städten schwer beschädigt worden, darunter in Pereira, Cali und Manizales. Rund 60 Gebäude stürzten vollständig ein.

Bilder und Videos zeigen, wie der Turm der Kathedralbasilika von Manizales auf das Kirchendach stürzt. Auf einem anderen Video, das in den sozialen Netzwerken kursiert, ist zu sehen, wie ein Teil der Fassade der Kirche San José in Pereira abbricht und auf den Vorplatz fällt.

@nmasunivision La iglesia San José en Pereira, Colombia sufrió daños durante el terremoto magnitud 7.4 registrado este 10 de agosto, otras estructuras en ciudades como Cali y Manizales también resultaron afectadas. Pero el movimiento telúrico se percibió con fuerza en las regiones de Bogotá, Popayán, Armenia y Medellín. Además de la iglesia, de acuerdo con los videos difundidos en redes tras el sismo, el Aeropuerto Internacional Matecaña de la ciudad de Pereira también resultó con daños. #nmásunivisionviral #sismo #terremoto #colombia #iglesia ♬ sonido original - N+ UNIVISION

Schäden gab es zudem in 18 Krankenhäusern und 52 Schulen. Das ganze Ausmass der Katastrophe ist noch nicht klar. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen könnte.

Suche nach Überlebenden gestartet

Derweil haben Rettungskräfte die Suche nach Überlebenden in den eingestürzten Gebäuden begonnen. Allein in der Millionenstadt Cali, die südlich des Epizentrums liegt, würden 188 Menschen vermisst, sagte der Präsident auf einer Pressekonferenz an Ort und Stelle. Zu den 600 Soldaten am Unglücksort sollen 400 weitere hinzukommen, um bei den Such- und Bergungsarbeiten zu helfen.

Verschiedene Länder haben Kolumbien inzwischen Unterstützung angeboten. Die USA stellen laut Medienberichten 15,5 Millionen Dollar für Notunterkünfte und Lebensmittel zur Verfügung. Auch El Salvador, Mexiko und Chile boten bereits Unterstützung an.

Seine Solidarität mit den Opfern, deren Familien und den Rettungskräften drückte auch Bundesratspräsident Guy Parmelin aus. Die Schweiz sei bereit, Unterstützung zu leisten, falls Hilfe benötigt werde, schrieb Parmelin auf X.

Hilfswerke planen Einsätze

Vor Ort aktiv sind auch die kirchlichen Hilfswerke Caritas Schweiz und Heks. Derzeit kläre man ab, wie die betroffenen Menschen unterstützt werden könnten, heisst es bei Caritas Schweiz auf Anfrage von ref.ch. Am dringendsten benötigt würden aktuell Notunterkünfte und Zelte, medizinische Güter sowie Lebensmittel, Trinkwasser und Hygieneartikel. Ebenso brauche es psychosoziale Unterstützung. «Viele Menschen stehen unter Schock, vor allem Kinder und ältere Personen», heisst es.

Das evangelische Hilfswerk Heks ist gemeinsam mit einer Partnerorganisation in dem stark betroffenen Departement El Chocó im Nordwesten Kolumbiens im Einsatz. Das Departement gehört laut dem Hilfswerk zu den ärmsten Regionen des Landes. Die ohnehin angespannte humanitäre Lage sei durch das Beben noch zusätzlich verschärft worden, heisst es in einer Mitteilung.

Für die Soforthilfe stellt Heks 250'000 Franken bereit. Damit könnten die Menschen unter anderem mit sauberem Wasser, Nahrungsmitteln, Notunterkünften sowie medizinischer und psychosozialer Unterstützung versorgt werden, schreibt das Hilfswerk auf Anfrage. Gleichzeitig hat Heks einen Spendenaufruf gestartet.

Stärkstes Beben der letzten Jahre

Das Epizentrum des Erdbebens lag nahe San José del Palmar im Departamento Chocó im Westen des südamerikanischen Landes. «Es handelt sich um das stärkste Erdbeben, das im 21. Jahrhundert in Kolumbien registriert wurde», teilte der Kolumbianische Geologische Dienst (SGC) mit.

Das Beben ereignete sich um am Montag um 7.34 Uhr Ortszeit in rund 103 Kilometern Tiefe, wie der SGC auf Basis aktualisierter Daten mitteilte. Zuvor war eine Tiefe von 96 Kilometern angegeben worden. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert.

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