Knatsch um Kirchenrenovation in Bündner Kirchgemeinde

Die Bündner Regierung hat die im 16. Jahrhundert erbaute reformierte Kirche St. Johann in Schiers im Prättigau unter Denkmalschutz gestellt. Ausgerechnet der Heimatschutz, der den Schutz beantragte, hat nun ein Problem damit.


Vor einem Jahr hat die Versammlung der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Schiers im Kanton Graubünden beschlossen, die Kirche St. Johann für rund 2,5 Millionen Franken zu restaurieren. Insbesondere soll die alte Orgel entfernt und durch eine neue ersetzt werden.

Das Vorhaben rief den Bündner Heimatschutz auf den Plan. Da bei der Renovation auch Teile der kunsthistorisch bedeutenden Innenausstattung verschwinden würden, beantragte der Heimatschutz beim Kanton, die Kirche unter Schutz zu stellen.

Am 9. Juni hat die Bündner Regierung nun ihren Entscheid auf den Tisch gelegt und die Kirche unter Denkmalschutz gestellt. Ausgenommen vom Schutz ist aber ausgerechnet die 1928 erbaute Innenraumausstattung mit der Orgel als zentralem Element.

Nutzungsinteresse höher gewichtet

Bei einer kompletten Unterschutzstellung könne die Kirchgemeinde die Kirche nicht wie geplant renovieren, heisst es in der Mitteilung der Regierung. Eine zeitgemässe Nutzung sei dann nicht möglich. Die Regierung sei deshalb zum Schluss gekommen, dass das Nutzungsinteresse höher zu gewichten sei als das Interesse an der Erhaltung und dem Schutz.

Entsprechend enttäuscht ist man beim Heimatschutz über den Entscheid. Die Regierung habe es verpasst, ihre verfassungsmässig festgeschriebene kulturelle Verantwortung zu übernehmen, heisst es in einer am 11. Juni verschickten Stellungnahme.

Entscheid «gegen den Rat der Fachleute»

Der Kunsthistoriker Leza Dosch stellte laut Heimatschutz in einem Gutachten fest, dass die Innenraum-Gestaltung ein bedeutendes Beispiel eines fast vollständig original erhaltenen Raum-Ensembles der Reformarchitektur sei. Mithin sei der Innenraum das bedeutendste Beispiel einer Reformarchitektur im protestantischen Kirchenbau Graubündens überhaupt.

Die Regierung habe sich gegen den Rat der Fachleute entschieden, schrieb der Heimatschutz weiter und führte an: Das Denkmal könne nun zerstört werden, wenn die Kirchgemeinde das wolle. Der Heimatschutz appelliert in seiner Mitteilung deshalb an die Kirchgemeinde, Lösungen zu finden, die dem Wert des Baudenkmals Rechnung tragen. (sda/no)