Seenotrettung

Kirchliches Bündnis schickt zweites Rettungsschiff ins Mittelmeer

Die Überfahrt von nicht hochseetüchtigen Booten nach Europa hält auch in der Corona-Krise an. Das kirchlich initiierte Bündnis «United4Rescue» finanziert deshalb ein weiteres Rettungsschiff. Die «Sea-Eye 4» wird derzeit auf ihren ersten Einsatz vorbereitet.

Das Sterben auf dem Mittelmeer geht unvermindert weiter. Zuletzt kamen bei zwei Bootsunglücken vor der Küste Libyens fast 100 Flüchtlinge ums Leben. Um dem Einhalt zu gebieten, finanziert das kirchliche Bündnis «United4Rescue» den Kauf des neuen Rettungsschiffes «Sea-Eye 4». Wie dessen Betreiber, die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye, am 15. November mitteilte, liegt das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff aus dem Jahr 1972 im Hafen von Rostock und soll für seine Rettungseinsätze im Mittelmeer ausgerüstet werden.

«United4Rescue» unterstützt bereits das Rettungsschiff «Sea-Watch 4», das derzeit in Italien festgesetzt ist. Dem Bündnis gehören mehr als 660 zivilgesellschaftliche Gruppen an, darunter die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Auch die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz und die Schweizer Bischofskonferenz beteiligten sich finanziell.

Über 15'000 Menschen gerettet

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm begrüsste die Finanzierung des neuen Schiffes: «Ich bin dankbar dafür, dass Sea-Eye nun ein weiteres Schiff in den Einsatz im Mittelmeer bringen kann.» Gerade die letzten Tage hätten gezeigt, wie dringend notwendig das ist. «Das konkrete Handeln der zivilen Seenotretter überwindet die Ohnmacht, die wir empfinden, wenn wir die Bilder von ertrinkenden Menschen im Mittelmeer sehen. Nur durch unsere Unterstützung können sie gerettet werden.»

«Ohne die Unterstützung durch das Bündnis wäre der Kauf eines so grossen Schiffes für uns unvorstellbar geblieben», sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler laut Mitteilung. Wegen ihrer Grösse werde die «Sea-Eye 4» in der Lage sein, mehr Menschen aufzunehmen und zu versorgen als die bisherigen Schiffe der Organisation. Diese hat nach eigenen Angaben seit 2016 mehr als 15’000 Menschen im Mittelmeer das Leben gerettet.

Fast alle Rettungsschiffe festgesetzt

Bedford-Strohm betonte, dass die evangelische Kirche auch in Zukunft die zivile Seenotrettung nach Kräften unterstützen werde, «solange Menschen weiter zu Hunderten im Mittelmeer ertrinken und niemand sonst sie rettet.» Das Bündnis wird sich insgesamt mit 434’000 Euro am Projekt beteiligen. Um die «Sea-Eye 4» möglichst schnell in den Einsatz schicken zu können, hat «United4Rescue» eine Spendenkampagne gestartet.

Laut «Sea-Eye»-Informationen ist die spanische «Open Arms» derzeit das einzige zivile Rettungsschiff auf dem Mittelmeer. Die anderen sechs zivilen Hochseeschiffe seien wegen angeblich technischer Mängel festgesetzt. Weil es kaum sichere, legale Fluchtwege gibt, wagten Menschen weiterhin die lebensgefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. Ein weiteres ziviles Rettungsschiff sei daher notwendig. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union ignorierten ihre Pflicht zur Seenotrettung, sagte Isler. Sie weigerten sich ihrer staatlichen, humanitären Aufgabe im Mittelmeer nachzukommen. (epd/no)