Frankfurt

Kirchentag gedenkt der Opfer des Holocausts

Über 11’000 Jüdinnen und Juden aus Frankfurt wurden von den Nationalsozialisten ermordet. An die Verbrechen erinnerten Kirchenvertreter im Rahmen des Ökumenischen Kirchentages, der derzeit in der Stadt am Main stattfindet.

Beim 3. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) haben Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Frankfurt der Opfer der Schoah gedacht. Vor der Synagoge im Frankfurter Westend erinnerten der katholische Präsident des Kirchentags, Thomas Sternberg, und die evangelische Präsidentin Bettina Limperg in einem vorab aufgezeichneten Video an die Deportation und Ermordung vieler Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die im Jahr 1933 30'000 Mitglieder hatte.

Das Gedenken zu Beginn von Kirchentagen habe eine lange Tradition, sagte Limperg in dem am 14. Mai veröffentlichten Video. Über religiöse Fragen einer Friedensordnung hinaus wolle der Kirchentag auch ein gesellschaftspolitisches Zeichen setzen gegen Hass und jede Form von Gewalt. Der ÖKT in Frankfurt am Main war am Donnerstag, 13. Mai, eröffnet worden und dauert noch bis Sonntag.

Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Marc Grünbaum, sagte, ohne die jüdischen Bürgerinnen und Bürger wäre Frankfurt nicht die Stadt geworden, die sie heute sei. Er betonte, die Notwendigkeit, die Sicherheit der jüdischen Gemeinde zu garantieren, sei im Jahr 2021 aktueller denn je. «Meist sind Polizisten das erste, was Kinder sehen, wenn sie in den Kindergarten kommen. Sie wachsen mit dieser ungerechten Realität auf, die zur jüdischen Normalität geworden ist», sagte Grünbaum. «Damit dürfen und wollen wir uns aber nicht abfinden.»

Über 11'000 Menschen getötet

1941 hatte die Deportation der Frankfurter Juden in die Vernichtungslager im Osten begonnen. Das bekannteste Schicksal einer jüdischen Frankfurter Familie ist das der Familie Frank. Anne Frank wurde gemeinsam mit ihrer Schwester 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen von den Nationalsozialisten ermordet. Laut Grünbaum wurden 11'908 Menschen aus Frankfurt in den Tod deportiert, 100 Juden überlebten in Frankfurt, 300 kehrten als Überlebende aus den Lagern zurück. Sie gehörten zu den ersten Mitgliedern der neuen jüdischen Gemeinde, die am 1. Februar 1948 offiziell gegründet wurde.

Der Rabbiner der Gemeinde, Julian-Chaim Soussan, sprach gemeinsam mit dem evangelischen Stadtdekan Achim Knecht und dem katholischen Stadtdekan Johannes zu Eltz Worte des 118. Psalms aus der Bibel. «Erinnern ist immer auch eine Forderung an die Zukunft, eine Gesellschaft im Vertrauen auf Gott zu begründen, in der wir gemeinsam so etwas nie wieder zulassen», sagte Soussan.

Der 3. Ökumenische Kirchentag in Frankfurt am Main findet wegen der Corona-Pandemie überwiegend digital statt. Er wird gemeinsam veranstaltet vom Deutschen Evangelischen Kirchentag und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken. (epd)