Kirchenstatistik
Weniger Austritte – aber Taufen und Trauungen im freien Fall
Deutlich weniger Menschen sind im Jahr 2025 aus der Kirche ausgetreten. Etwas über 26'000 Menschen haben die reformierte und knapp 28'000 die katholische Kirche verlassen. Ein Jahr zuvor waren es noch mehr als 32'000 (reformiert) bzw. 36'000 (katholisch).
Weniger Austritte gab es bei den Reformierten zuletzt 2019 und bei den Katholiken 2018. Es zeige sich zum zweiten Mal in Folge ein «überraschend starker Rückgang» der Austritte, schreibt das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) in einer Mitteilung.
Als Grund für den Austritt gaben Reformierte gemäss der Mitteilung vor allem die mangelnde Relevanz der Kirche an, so etwa fehlender Glaube. Dies verweise auf die «grundlegende Stabilität von gesellschaftlichen Säkularisierungsprozessen in der Schweiz.»
Bei den Katholiken hingegen sei das Verhalten der Kirche in Bezug auf sexuellen Missbrauch und dessen Vertuschung einer der Hauptgründe für Austritte. Dass diese Kritik nun weniger im Fokus der Öffentlichkeit sei, erkläre die sinkenden Austrittszahlen.
Knapp 16'000 Reformierte weniger
Die Gesamtzahl an Kirchenmitgliedern hat von 2024 auf 2025 wie in den vergangenen Jahren abgenommen. Noch 1,77 Millionen Menschen sind Mitglieder der reformierten Kirche. Im Vergleich zum letzten Jahr verlor die reformierte Kirche 15'920 Mitglieder. Das sind rund 10'000 weniger als die Anzahl an Austritten.
Warum die Kirche weniger Mitglieder verliert, als dass sie verlassen, konnte das SPI auf Anfrage von ref.ch nicht beantworten. Erstaunlich ist das, weil Todesfälle den Mitgliederverlust gar noch verstärken dürften – und kaum durch Taufen und Neueintritte kompensiert werden. Eine mögliche Erklärung für den vergleichsweise schwachen Mitgliederrückgang ist die Migration.
Reformierte machten 2025 noch 19,4 Prozent der Schweizer Gesamtbevölkerung aus. Zum Vergleich: 29,4 Prozent sind katholisch (total 2,68 Millionen Menschen). Gesamthaft ist damit weniger als jede oder jeder Zweite Mitglied in einer der beiden Landeskirchen.
Die Zahlen von 2025 seien «weder Entwarnung noch Katastrophenmeldung», sagte Stephan Jütte, Leiter Theologie und Ethik der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). Auf der einen Seite sei der Rückgang bei den Austritten erfreulich. «Eine Trendwende ist das aber noch nicht.» Er sieht den Säkularisierungs-Trend als eine «präzise Aufgabenbeschreibung» für die Kirche. Mitgliedschaft und Bedeutung für die Gesellschaft seien nicht dasselbe. «Es geht schon länger nicht mehr um die Frage, wie wir möglichst lange möglichst gross bleiben.» Vielmehr stelle sich die Frage nach der Rolle der Kirche, wenn Zugehörigkeit nicht mehr selbstverständlich ist. «Eine Kirche, die darauf eine überzeugende Antwort findet, kann kleiner werden, ohne klein zu sein.»
«Nachwuchsmotor stockt»
Deutlich zurückgegangen ist die Anzahl Taufen und kirchlichen Trauungen. Besonders deutlich wird das in der Taufquote.
Wurden vor drei Jahren noch zwölf von Hundert Neugeborenen reformiert getauft, sind es heute nur noch deren acht. Taufen sind gemäss dem SPI wichtig zum Verständnis der Mitgliederentwicklung, weil sie die Zahlen der verstorbenen Mitglieder ausgleichen können. Dies sei aber schon länger nicht mehr der Fall. «Der generationelle Nachwuchsmotor der Kirchen stockt», schreibt das SPI in seiner Mitteilung.
Bei den kirchlichen Trauungen schliesslich ist wie bei den Taufen seit einigen Jahren ein starker Rückgang zu beobachten.
Dass die Zahlen zwischenzeitlich regelrecht einbrachen, hatte wohl mit den Auswirkungen der Covid19-Pandemie zu tun. Auffallend ist auch, dass die Evangelisch-reformierte Kirche seit einigen Jahren stärker vom Rückgang bei den Trauungen betroffen ist als die katholische Kirche.