Kirchenstatistik

Deutlich weniger Austritte

Die evangelisch-reformierten Kirchen haben sich im Jahr 2024 von der Austrittswelle des Vorjahres erholt. Taufen und Trauungen finden hingegen immer weniger statt. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI).
Auch die Taufen in den reformierten Kirchen sind zurückgegangen. (Bild: Gaëtan Bally / Keystone)

Auslöser für die Rekordaustritte im Jahr 2023 war unter anderem die Veröffentlichung einer Studie zum sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche – ein Ereignis, das auch Auswirkungen auf die reformierten Kirchen hatte: Noch nie zuvor traten so viele Menschen aus der Kirche aus (ref.ch berichtete).

Im Jahr 2024 hat sich die Lage spürbar entspannt: Die Zahl der Austritte sank auf rund 32'500 – ein Rückgang um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als knapp 40'000 Personen ausgetreten waren. Dennoch liegt dieser Wert weiterhin über dem Niveau von 2022 (rund 30'400 Austritte). Im längerfristigen Vergleich erkennt das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) eine «langsam ansteigende Austrittsneigung».

(Grafik: Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut)

Ein Negativtrend zeigt sich auch bei den Zahlen zu den kirchlichen Taufen und Trauungen. So wurden im Jahr 2024 nur noch 7'111 Kinder in den reformierten Kirchen getauft – über 1'000 weniger als im Vorjahr. Auch bei den Eheschliessungen gab es ein Minus: Rund 350 Trauungen weniger wurden registriert als noch 2023.

(Grafik: Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut)

Diese Entwicklungen schlagen sich deutlich in den absoluten Mitgliederzahlen nieder. Laut SPI gehörten im Jahr 2024 noch 1,78 Millionen Menschen den reformierten Kirchen an – 80'000 weniger als im Vorjahr (1,86 Millionen). Neben den Austritten sei allerdings auch der demografische Wandel ein wichtiger Faktor: Die Zahl der Sterbefälle übersteigt jene der Geburten beziehungsweise Taufen.

(Grafik: Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut)

Für die kommenden Jahre prognostiziert das SPI einen weiteren Rückgang der Mitgliederzahlen. Die Begründung: «Die jungen Altersgruppen können die sterbenden Jahrgänge nicht ersetzen, zumal die Kirchenbindung der jungen Generation schwächer ist als die der alten.»

Dies machte in der Medienpräsentation des SPI auch Stephan Jütte, Kommunikationsbeauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), geltend. Die reformierten Kirchen stünden unter einem doppelten Druck. Zum einen gebe es zahlreiche Austritte, zum anderen sei die Kirche überaltert. «Früher überwogen die Taufen. Heute gilt: Zwei Kinder werden getauft – fünf reformierte Mitglieder werden bestattet.»

Damit sei auch die alte Vorstellung von Volkskirche überholt, so Jütte. «Volkskirche heute bedeutet: Kirche für die ganze Gesellschaft zu sein – offen, solidarisch, diakonisch, auch für jene, die nicht oder nicht mehr Mitglied sind.»

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