Politischer Vorstoss

Kirchenglocken sollen in der Stadt Zürich nachts stumm bleiben

Politikern der Alternativen Liste und der SP ist es in Zürich nachts zu laut. Sie wollen, dass die Kirchenglocken weniger läuten. Die Stadt muss den parlamentarischen Vorstoss prüfen.

Das Grossmünster ist nachts aktuell nicht beleuchtet, um Strom zu sparen. (Bild: Gaëtan Bally/ Keystone)

Zwischen 21.00 und 9.00 Uhr sollen in der Stadt Zürich keine Kirchenglocken erklingen dürfen, ebenso sei auf ein Frühgeläut zu verzichten, forderten Michael Graff und Andreas Kirstein von der Alternativen Liste (AL). Kultisches Geläute dürfe nur noch zwischen 9.45 Uhr und 21.00 Uhr ertönen.

Erklärt haben die beiden Gemeinderäte ihre Motion mit dem Ruhebedürfnis und der Gesundheit der Stadtzürcher Bevölkerung. Motionär Andreas Kirstein sprach von einer «moderaten Anpassung» der Verordnung.

Stadt: Keine Beschwerden bekannt

Der Zürcher Stadtrat lehnte die Forderungen aus rechtlichen Gründen ab. In der Polizeiverordnung seien 2011 Vorschriften zum Kirchengeläut aufgehoben worden. Der Stadtrat verfüge also gar nicht über die Kompetenz, den Kirchen Vorschriften zu machen.

Andreas Hauri, Vorsteher des Gesundheit- und Umweltdepartements, zeigte Verständnis für den Wunsch nach Ruhe. Die Kirchgemeinden hätten aber bereits auf die Bedürfnisse der Bevölkerung reagiert. Viele verzichteten auf den nächtlichen Stundenschlag, gar alle auf den Viertelstundenschlag in der Nacht.

Gäbe es Beschwerden per Antrag aus dem Volk, würden diese geprüft. Dem Stadtrat seien allerdings keine solchen Anträge bekannt. Motionär Kirstein sagte, er habe andere Reaktionen erhalten. In einem Fall habe sich ein Quartier erfolglos gegen das Geläut gewehrt.

Gespräch suchen mit Kirchgemeinde

Bei den anderen Parteien hatte der Vorstoss einen schweren Stand. Nicht nur wegen den rechtlichen Vorgaben. Roger Bartholdi (SVP) nannte Kirchenglocken ein Kulturgut. Nachts seien die Glockenschläge dezent. Die vorgeschlagenen Ruhezeiten seien völlig übertrieben. «Um sieben Uhr morgens wird auf der Baustelle gehämmert, nachts in den Parks laut gefeiert. Aber wehe die Kirchenglocke läutet», monierte er.

Die SP nehme zur Kenntnis, dass der Stadtrat keine rechtliche Handhabe habe, sagte Anna Graff. Doch das Geläut könne durchaus ein Gesundheitsrisiko sein. Die Kirchen forderte sie auf, das zu respektieren und während der Nachtruhe auf das Geläut verzichten. Der Stadtrat solle den Kirchen eine entsprechende Aufforderung machen. Die SP stellte den Antrag, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.

Roger Föhn (EVP), der als Sigrist arbeitet, sagte, dass seine Kirchgemeinde auf den Nachtschlag verzichte. Andere würden dies nicht tun. Doch wen dies störe, der solle das Gespräch mit diesen Kirchgemeinden suchen.

Mit 59 zu 45 Stimmen bei 9 Enthaltungen nahm der Rat schliesslich den abgewandelten Vorstoss an. Somit muss der Stadtrat prüfen, ob er den Kirchen einen entsprechenden Vorschlag zum nächtlichen Glockenschlag und dem Frühgeläut machen kann. (sda/ jow)