Kirchen kritisieren politischen Missbrauch von Migrations-Ängsten

Spitzenvertreter von Vatikan, Weltkirchenrat und des UNO-Flüchtlingshochkommissariats haben den politischen Umgang mit der Migrationsfrage kritisiert. Ängste würden immer wieder missbraucht, um die Menschen zu spalten, zu polarisieren und Angst zu schüren.


Olav Fykse Tveit, Generalsekretär des Weltkirchenrates (ÖRK), hat an einer Konferenz in Rom den Umgang mit der Migrationsfrage kritisiert. Er erinnerte daran, dass viele Migranten auf der Mittelmeerroute ihr Leben verlieren, und warnte davor, «selbst unmenschlich zu werden». Tveit sprach zu Beginn einer dreitägigen, von ÖRK und Vatikan organisierten Konferenz zum Thema «Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Populismus im Kontext weltweiter Migration». Der ÖRK-Generalsekretär rief die Kirchen auf, für die Rechte anderer aufzustehen und «Botschafter der Liebe Christi» zu sein, um «Versöhnung in eine Welt voller Angst» zu bringen.

Auch Kurienkardinal Peter Turkson, Präfekt der Vatikanbehörde für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, beklagte, dass beim Thema Migration die Angst dominiere. Er rief die verschiedenen Religionen auf, Aspekte von Fremdenhass, Rassismus und Populismus zu analysieren und gemeinsam dagegen vorzugehen.

Hassreden und Fremdenfeindlichkeit

Felipe Camargo, Vertreter des UNO-Flüchtlingshochkommissariats, sagte, Hassreden und Fremdenfeindlichkeit gegenüber Migranten und Flüchtlingen nähmen auf allen Ebenen der Gesellschaft zu, auch ausserhalb Europas. Er kritisierte die hohe Intoleranz gegenüber Migranten und Flüchtlingen unter anderem in den USA, in Deutschland, Costa Rica, Brasilien, Italien und Kolumbien.

65 Millionen Menschen seien weltweit gezwungen, ihre Heimat aufgrund von Gewalt, Rassismus oder Konflikten zu verlassen. Ein grosses Problem sei auch Fremdenfeindlichkeit im Internet. Mit Worten Nelson Mandelas erinnerte Camargo daran, dass Hass kein angeborenes, sondern ein erlerntes Gefühl sei. Er rief dazu auf, Respekt, Liebe und Toleranz gegenüber anderen zu lehren.

Interreligiöse Konferenz

Bei der Konferenz in Rom sollen bis am 20. September neben Analysen und theologischen Einschätzungen auch gelungene Beispiele von Integration präsentiert werden. Erwartet werden auch Vertreter anderer Religionen. Sprechen wird zudem der frühere Vizepräsident des Internationalen Gerichtshofs, Raymond Ranjeva.

Dem in Genf ansässigen Weltkirchenrat gehören weltweit 350 evangelische, anglikanische und orthodoxe Kirchen an. Der Weltkirchenrat vertritt damit eigenen Angaben zufolge mehr als eine halbe Milliarde Christen auf der ganzen Welt. (sda/bat)