100. Geburtstag von Klaus Kinski

Weltstar, Monster und Bösewicht

Er war der Killer im Spaghettiwestern und der Verrückte in Werner Herzogs Arthouse-Filmen: Vor 100 Jahren wurde Schauspieler Klaus Kinski geboren.
Klaus Kinski bei den Dreharbeiten zu «Fitzcarraldo». Wochenlang lebte die Filmcrew von Regisseur Werner Herzog im Amazonas-Urwald. (Bild: Beat Presser/ Keystone)

Klaus Kinski war unmässig und cholerisch. Seine verbalen und gewalttätigen Ausfälle waren berüchtigt. Sie brachten Regisseure zum Verzweifeln und Interviews oder Auftritte zum Abbruch. Als Schauspieler machte ihn das in den 1960er Jahren zum Enfant Terrible des biederen deutschen Filmbusiness und später zu einem der wenigen deutschen Weltstars.

Er hatte Augen, die Unheil verheissen konnten, die todbringend wirkten – was ihn für Rollen als Bösewicht und Psychopath wie in «Aguirre» oder «Nosferatu» qualifizierte, mit denen er als Schauspieler Erfolg hatte.

Mit dem Menschen Kinski rechnete seine älteste Tochter Pola Kinski in ihrem 2013 erschienenen autobiografischen Buch «Kindermund» ab: Sie schilderte, wie er sie jahrelang sexuell missbrauchte, seit sie ein Kind war. Sie sprach von unendlicher seelischer Qual, die dies ausgelöst habe.

Ihre Halbschwester Nastassja Kinski erklärte damals nach Medienberichten: «99 Prozent der Zeit hatte ich fürchterliche Angst vor ihm.» Er sei ein Tyrann gewesen. Klaus Kinski starb 1991 im Alter von 65 Jahren in Kalifornien. Er hatte drei Kinder aus verschiedenen Ehen: Pola, Nastassja und Nikolai.

Existenz in Trümmern

Die Berichte von Pola Kinski führten zu öffentlicher Erschütterung. «Die Fans Klaus Kinskis haben ein Monster vergöttert», hiess es in «Spiegel online». Sein Biograf Christian David sagte damals im Schweizer Fernesehen SRF: «Es ist so, dass die künstlerische und menschliche Existenz Klaus Kinskis in Trümmern vor uns liegt.»

Klaus Kinski habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich von Kindern sexuell angezogen fühlte, ohne dass dies wirklich einen öffentlichen Protest erzeugt hätte. Darauf machte 2021 noch einmal Sabine Andresen aufmerksam, damals Vorsitzende der «Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs».

Provokation auf der Bühne

Berühmt wurde Kinski, geboren am 18. Oktober 1926 im Ostseebad Zoppot bei Danzig als Klaus Günter Karl Nakszynski, mit seinen Interpretationen der Gedichte von François Villon. In Jean Cocteaus Einpersonen-Stück «La voix humaine» spielte er eine Frau, die, weil sie einsam ist, unablässig telefoniert.

Schon damals schuf Kinski eine Aura von Provokation und Grenzüberschreitung um sich herum. In Helmut Käutners «Ludwig II.» spielte er Otto von Bayern, den Bruder des Märchenkönigs: eine Mischung aus Wahnsinn und Kriegstrauma.

Irrlichternde Gestalt in Edgar-Wallace-Filmen

In den Edgar-Wallace-Filmen der 1960er Jahre war Kinski die undurchsichtige, irrlichternde Gestalt. Auch wenn er nicht der Mörder war, identifizierte man seine Figur mit dem Bösen. Dazu trugen nicht nur seine stechenden, oft wahnsinnig wirkenden Augen bei, sondern auch seine verächtlich wirkende Mundpartie und seine oft ins Schiefe geratene Körperhaltung.

Er siedelte dann nach Rom über, wo die Filmstudios in Cinecittà das Herz der europäischen Filmindustrie waren. Immer wieder landete er wegen seines aggressiven Verhaltens in der Boulevardpresse.

In «Für ein paar Dollar mehr» war er ein Bandit, in «Leichen pflastern seinen Weg» ein eiskalter Kopfgeldjäger. Oft spielte er aber in B- und C-Filmen mit. Die meisten seiner rund 130 Filme fand er, wie er sich ausdrückte, «zum Kotzen».

Wütender Berserker

Eine der ungewöhnlichsten Kooperationen des Neuen deutschen Films gab es zwischen Kinski und dem deutschen Filmemacher Werner Herzog. In «Aguirre, der Zorn Gottes» (1972), gedreht unter schwierigen Bedingungen in den peruanischen Anden und im Amazonasgebiet, verkörpert der Schauspieler einen Konquistador, der mit seiner Tochter dort eine Herrschaft aufbauen will. Doch Aguirre scheitert. Der Schluss des Films, als die Kamera Aguirre mit seiner durch Pfeile getöteten Tochter auf einem Floss umkreist, gehört zu den berühmtesten Szenen des Neuen deutschen Films.

Während der Dreharbeiten tobte Kinski. Er soll auf ein Zelt geschossen haben. Das zeigt Herzog in seiner Dokumentation «Mein liebster Feind – Klaus Kinski». Sie erschien 1999, Jahre nach Kinskis Tod, und zeigt Wutausbrüche, Auseinandersetzungen und Machtkämpfe zwischen Regisseur und Schauspieler. Die konfliktreiche Beziehung hinderte Herzog aber nicht daran, mit Kinski nach «Aguirre» noch für weitere vier Filme zusammenzuarbeiten: «Nosferatu», «Woyzeck», «Fitzcarraldo» und «Cobra Verde».

«Wenn ich ihn als einen wütenden, tobenden Berserker gesehen habe in einem Film, dann habe ich ihn nicht als Schauspieler empfunden, denn so haben wir ihn eins zu eins im Alltag erlebt», so zitierte «Spiegel online» Pola Kinski 2013.

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