Krieg in der Ukraine

Weder Strom noch Heizung: verzweifelte Lage in Kiew

Russland hat die Energieversorgung der Ukraine gezielt angegriffen. Weite Teile Kiews stehen ohne Heizung da. Strom ist nur stundenweise verfügbar. Bürgermeister Klitschko hat den Notstand ausgerufen.

Kein Strom, keine Heizung, aber strenger Frost: die ukrainische Führung reagiert auf die schwierige Lage in der Hauptstadt Kiew. Für den gesamten Energiesektor der Ukraine werde der Notstand ausgerufen, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einer Krisensitzung mit.

Es werde ein Koordinationszentrum eingerichtet, das sich besonders um die Nöte der Dreimillionenstadt kümmern solle. Die gesamte Regierung solle zusätzliches Gerät und Hilfe organisieren.

Die Versorgungsnetze von Kiew waren bei einem schweren russischen Luftangriff am vergangenen Freitag ausser Gefecht gesetzt worden. Anfangs habe es in 6000 Wohnblocks keine Heizung gegeben, sagte Bürgermeister Vitali Klitschko bei einer Sitzung mit der Stadtverwaltung.

Aktuell seien noch 400 Häuser unbeheizt, und man hoffe, sie schnell wieder ans Fernwärmenetz zu bekommen. Bei -12 Grad Celsius tagsüber und -18 in der Nacht kühlen ungeheizte Häuser rasch aus.

Drei Stunden Licht, zehn Stunden Dunkel

Für die meisten Bürger gebe es immer nur drei Stunden Strom und dann zehn oder mehr Stunden wieder nicht, berichtete Klitschko. Die Stadt sei in der schwierigsten Lage seit Kriegsbeginn. Kiew leide unter einer humanitären Krise und erreiche einen kritischen Punkt, schrieb der Journalist Oleksyj Sorokin vom «Kyiv Independent»: «Es gibt Orte in Kiew, die derzeit unbewohnbar sind.»

Kritik an Kiewer Stadtführung

Das Eingreifen der Regierung in der Hauptstadt und damit in Klitschkos Zuständigkeit bedeutet aber auch, dass ein alter politischer Konflikt wieder aufbricht. Der neu eingesetzte Energieminister Denys Schmyhal lobte im Parlament die Vorbereitungen der Stadt Charkiw auf derartige Notfälle. Kiew habe sich schlecht vorbereitet. «Ich sage: überhaupt nicht vorbereitet. Deshalb muss man jetzt zu Notfallmassnahmen greifen», sagte Schmyhal.

Unter anderem will die Regierung die nächtliche Ausgangssperre lockern, damit Bürgerinnen und Bürger jederzeit in die etwa 1200 Aufwärmpunkte in Kiew gehen können. (sda/ dst)

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