Indigene

Kampf um Brasiliens Flüsse gewonnen

Es ist ein Sieg für die indigenen Gemeinschaften im Amazonas-Gebiet: Die Vergabe von Flüssen an Agrar- und Bergbauunternehmen ist gestoppt. Brasiliens Regierung verweist bei ihrer Entscheidung auf die Proteste gegen das Vorhaben.

Die Regierung Brasiliens hat die umstrittene Privatisierung mehrerer Flüsse im Amazonas-Gebiet nach heftigen Protesten zurückgezogen. Die Entscheidung sei nach einem Treffen mit indigenen Völkern gefallen, erklärte der Leiter des Präsidialbüros von Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva, Guilherme Boulos. Die Vergabe sollte dem Ausbau der Wasserwege in der Amazonas-Region für den Verkehr grosser Schiffe zum Transport von Agrar- und Bergbauprodukten dienen.

Damit hat die Bewegung der indigenen Völker einen beträchtlichen Sieg errungen. Zusammen mit anderen Bürgerbewegungen hatte sie die geplanten massiven Eingriffe in ihren Lebensraum kritisiert. Zudem prangerten sie an, dass Bürger nicht mitsprechen konnten, obwohl dies gesetzlich verankert ist. Ausserdem hätte der Entscheid verheerende Folgen für indigene Gemeinschaften und Umwelt gehabt.

Die Regierung Lula hatte den Plan für die Wasserstrassen im August beschlossen. Damit hätten unter anderem  Privatunternehmer Konzessionen zur Nutzung der Flüsse für Frachttransport kaufen können. Dafür wären umfangreiche Drainagearbeiten und Felssprengungen nötig gewesen, die ganze Flussläufe verändert hätten.

In den Flüssen Tapajos, Madeira und Tocantins waren bereits Baggerarbeiten in Auftrag gegeben worden, die nun gestoppt wurden. «Es gab eine legitime Mobilisierung der indigenen Völker in Bezug auf dieses Dekret», sagte Lulas Sprecher Boulos der Zeitung «Folha de Sao Paulo».

In der brasilianischen Stadt Santarém demonstrierten Indigene gegen die Pläne der Regierung, Amazonas-Flüsse zu privatisieren. (Screenshot: Youtube)

Bis zu 1200 Indigene hatten wochenlang vor dem Büro des Exportkonzerns Cargill in der nordbrasilianischen Stadt Santarém campiert. Als sie per Gerichtsbeschluss davon abgehalten werden sollten, besetzten sie am Wochenende auch das Innere des Gebäudes und blockierten auf dem Tapajos-Fluss mehrere Fähren, die Getreide transportierten.

Bereits während der Weltklimakonferenz in der Stadt Belém hatten indigene Völker gegen die Regierungspläne protestiert. Damals war ihnen eine Anhörung zugesichert worden. Doch die Regierung beauftragte später Drainage-Firmen, ohne die Urvölker anzuhören oder eine Umweltgenehmigung einzuholen. (epd/ dst)

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