Seelsorge.net

Junge und Kirchenferne wenden sich vermehrt an E-Mail-Seelsorge

Eine Auswertung des E-Mail-Dienstes Seelsorge.net zeigt, dass das Angebot gut ankommt. Es erreicht auch junge und kirchenferne Menschen.

Zum 25-jährigen Bestehen von Seelsorge.net hat der E-Mail-Dienst seine Arbeit evaluieren lassen. Dabei zeigte sich, dass diese Form der Beratung den Bedürfnissen entspricht, wie es in einer Medienmitteilung vom 4. Dezember heisst. Gerade Menschen, die mit den Angeboten der Kirchgemeinden weniger anfangen könnten, würden mit Seelsorge.net erreicht. Auffallend sei, dass sich besonders viele junge und kirchenferne Personen an den Dienst wendeten. Etwa 40% der Hilfesuchenden waren demnach unter 30 Jahren.

Die Qualität des Angebots sei gut, hält der Bericht fest. «Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Angebot von Seelsorge.net von den Usern und Userinnen sehr geschätzt wird.» Besonders erwähnt wurden dabei die niederschwellige Kontaktaufnahme und das persönliche Sicherheitsgefühl, darunter fällt auch die Anonymität. Vier von fünf Nutzerinnen gaben zudem an, sie fühlten sich durch die Beratung darin gestärkt, ihre Schwierigkeiten aktiv anzugehen oder sich Hilfe zu suchen.

Sprache besser anpassen

Während die meisten mit den Leistungen von Seelsorge.net zufrieden waren, gaben etwa 20% der Befragten an, dass sie durch die Beratung nicht abgeholt werden konnten. Als Grund gab ein Grossteil mangelnde Professionalität oder Kompetenz an. In einigen Kommentaren sei aber auch klar geworden, dass sich User mit einer Erwartungshaltung an Seelsorge.net gewandt hatten, die nicht erfüllt werden konnte.

Bei der Befragung der Seelsorgenden stellte sich heraus, dass sie sich in ihrem Engagement gut unterstützt fühlen. Verbesserungspotential gebe es bei gewissen Grundsätzen des Beratungskonzepts, die in der Beratung manchmal schwierig umzusetzen seien. Als Beispiel wird etwa der Grundsatz einer angepassten Sprache oder der Orientierung an den Bedürfnissen der Userinnen genannt. Zu diesen Themen wären mehr Ausbildung und Austausch empfehlenswert, halten die Autoren der Auswertung fest.

Religiöse und spirituelle Themen einbringen

Ausserdem dürften religiöse und spirituelle Themen expliziter angesprochen werden, wenn es dem Bedürfnis eines Hilfesuchenden entspreche. Denn für etwa die Hälfte der Nutzer sei dies wichtig für die Lösung ihrer Probleme. Hier werde das Potential noch zu wenig genutzt. Gleichzeitig sollten sich aber auch jene Personen gut aufgehoben fühlen, denen Religion und Spiritualität nicht wichtig ist.

Seelsorge.net ist ein Angebot der reformierten und katholischen Kirchen der Schweiz. Aktuell beraten knapp 30 ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger Menschen per E-Mail. Sie alle sind ausgebildete Pfarrerinnen, Pastoralassistenten, Psychologinnen, Psychiater, Sozialpädagoginnen oder Berater mit vertiefter seelsorgerischer Ausbildung und langjähriger Erfahrung. Die Beratung ist kostenlos, anonym und richtet sich ungeachtet der religiösen Zugehörigkeit an alle Bevölkerungsgruppen der Schweiz. (mos)