Italien ernennt Antisemitismus-Beauftragte

Wegen «wachsender Bedrohung» gibt es in Italien neu eine Antisemitismus-Beauftragte. Die jüdische Gemeinde in Rom begrüsst diesen Schritt.


Vor dem Hintergrund von Berichten über wachsenden Antisemitismus hat Italiens Regierung eine Beauftragte zur Bekämpfung von Judenfeindlichkeit ernannt. Wie Ministerpräsident Giuseppe Conte auf Twitter schrieb, übernimmt die Professorin und Politikerin Milena Santerini den neuen Posten.

Die jüdische Gemeinde in Rom begrüsste den Schritt als «bedeutsam und notwendig», wie die Nachrichtenagentur Ansa am 16. Januar schrieb. Die Vertretung der jüdischen Gemeinden in Italien UCEI sprach von einer «wachsenden Bedrohung». Andere europäische Staaten, auch Deutschland, hätten das Amt schon.

Von Rechtsradikalen attackiert

Santerini, die an der katholischen Universität Mailand tätig ist, wies in ihrer Reaktion auf Twitter auf das internationale Gedenken zum 75. Jahrestag der Befreiung des deutschen Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 hin.

In jüngerer Zeit hatten Medien in Italien wiederholt über antisemitische Anfeindungen berichtet. Für Schlagzeilen sorgte ein Vorfall zum Jahreswechsel in Venedig. Dabei soll der linke Politiker Arturo Scotto von womöglich Rechtsradikalen attackiert worden sein. Es sollen Sprüche gegen das Nazi-Opfer Anne Frank gefallen sein. 2019 hatte die italienische Holocaust-Überlebende und Senatorin Liliana Segre nach vielen antisemitischen Schmähungen Polizeischutz bekommen.

Unter der Twitter-Mitteilung Contes waren auch viele negative Reaktionen, etwa von Menschen, die die Ernennung als «überflüssig» einstuften. (sda/bat)