Antisemitismus im Internet laut Bericht «besorgniserregend»

Der Antisemitismusbericht des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds spricht von besorgniserregenden judenfeindlichen Drohungen im Internet und auf Social Media.


42 antisemitische Vorfälle wurden im vergangenen Jahr in der Deutschschweiz ausserhalb des Internets registriert. Darunter waren eine Tätlichkeit, elf Beschimpfungen sowie fünf Schmierereien. Dies geht aus dem Antisemitismusbericht 2018 des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) hervor.

Es sei jedoch davon auszugehen, dass eine Vielzahl von Vorfällen nicht gemeldet werde, schreiben der SIG und die GRA in einer gemeinsamen Mitteilung am 21. März. Entsprechend müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Weniger Übergriffe als in Nachbarsländern

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland oder Frankreich, kommt es in der Schweiz gemäss des Berichts zu weniger gewalttätigen antisemitischen Übergriffen. Auf ähnlich hohem Niveau dürfte sich jedoch das Ausmass antisemitischer Äusserungen und Drohungen im Internet bewegen. Über 90 Prozent dieser Vorfälle würden auf den beiden Social Media-Plattformen Facebook und Twitter registriert.

Inhaltlich fallen zwei Drittel aller Vorfälle (inklusive Online) in die Kategorien «Antisemitische Verschwörungstheorien» und «Israelbezogener Antisemitismus». Gerade antisemitische Verschwörungstheorien finden laut SIG zurzeit grössere Verbreitung.

Hass im Internet zunehmendes Problem

Hate Speech im Internet nimmt gemäss der Mitteilung generell seit Jahren stark zu. Auffällig sei, dass eine Mehrzahl der 535 dokumentierten antisemitischen Beiträge im Netz nicht anonym veröffentlicht wurde. Die Verfasser stünden häufig offen mit eigenem Namen und erkennbarem Profilbild dahinter und seien darum identifizierbar.

SIG und GRA sehen wegen Hate Speech im Internet einen «dringenden Handlungsbedarf». Sowohl die Politik aber auch Social-Media-Plattformen seien deshalb gefordert. (mey)