Im Gespräch mit kath.ch meint Wallimann, dass der von der SVP hervorgerufene Begriff «Asylchaos» eine versteckte Absicht gehabt habe: «Die Partei will das Thema für ihre eigenen Interessen nutzen und agiert entsprechend, deshalb auch ein solcher nicht-neutraler Begriff. Sie weiss: Menschen reagieren zuverlässig, wenn man ihnen Angst macht.»
Menschenrechte vs. Geld
Die Anfang August präsentierten Vorschläge von CVP-Politikern, Asylbewerbern kein Bargeld mehr zu geben und sie ohne Lohn arbeiten zu lassen, hält Wallimann für «schwachen Populismus und armselig». Die Menschen würden eigentlich die christliche Haltung kennen. Aber es werde zuerst auf den eigenen Nutzen und die eigene Wirtschaft geschaut und am Schluss werde noch ein bisschen humanitär gehandelt. Für das eigene Gewissen.
Mehr Sympathie habe der Theologe für die Positionen der Grünen und der SP. Die Grünen haben Ende Juli mit einer Online-Kampagne unter dem Titel «Schutz statt Hetze» auf die SVP-Asyloffensive reagiert und sich damit im Wahlkampf als Gegenpol positioniert. Es brauche legale Anlaufstellen und sichere Routen für Flüchtlinge sowie mehr Offenheit und Integration statt Abschottung und Abschreckung, teilte die Partei am 29. August mit.
Abschottung ist unchristlich
Die Stossrichtung von SP und Grünen sei tatsächlich «viel stärker mit einer christlichen Sichtweise kompatibel», sage der Sozialethiker. Je «abschottender» eine Politik oder eine Position sei, umso weniger komme sie der christlichen Grundhaltung nahe, erklärt Wallimann. Trotzdem weigere sich der Sozialethiker irgendeiner Partei das Label «christlich» zu vergeben.
Teilen ist eines Christen Pflicht
Wallimanns Ansicht eines christlichen Verhalten sei erstens die Menschenwürde, die jeder verdiene. Dann ist Armen, Benachteiligten und Schwachen zu helfen. Am Umgang mit diesen zeige sich nämlich, ob man den Menschen tatsächlich als Menschen ernst nehme. Drittens verpflichteten Wohlstand und Reichtum zum Teilen, wovon die Schweiz genügend habe. «. «Es ist nicht so, dass wir einfach hilflose, arme Bauern sind. Bei uns sind grosse Unternehmen angesiedelt, wir haben die grössten Geldinstitute», argumentiert Wallimann. Die Schweiz hätte viele Möglichkeiten. «Das verpflichtet auch.» (kath.ch)