Krieg im Nahen Osten

Israel bombardiert Damaskus

Die Gewalt in Syrien eskaliert und die israelische Armee fliegt Luftangriffe auf die Hauptstadt Damaskus. Offiziell will die Regierung Netanjahu damit die drusische Minderheit schützen.

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben das Hauptquartier des syrischen Militärs in Damaskus angegriffen und erklärt, man beobachte das Vorgehen der syrischen Regierung gegen die Drusen im Süden des Landes genau. Menschenrechtsaktivisten berichten von zwei israelischen Luftangriffen auf das hoch gesicherte Generalstabsgebäude in der syrischen Hauptstadt. Zwei Menschen seien verletzt worden.

Der Angriff folgt auf tagelange Gewalt im südlichen Syrien. Dort sind Kämpfe zwischen Drusen und sunnitischen Beduinen in der Provinz Suwaida ausgebrochen, woraufhin die syrische Regierung Truppen und andere Sicherheitskräfte geschickt hat. Laut Menschenrechtsaktivisten sind seit Sonntag mehr als 250 Menschen getötet worden, darunter rund 20 Personen, die «hingerichtet» worden seien.

Nach eigenen Angaben will die israelische Regierung mit den Angriffen auf Truppen der syrischen Regierung die Drusen schützen. Israel fühlt sich dazu verpflichtet, unter anderem weil viele Drusen im israelischen Militär dienen. Die Drüsen sind eine religiöse Minderheit, die aus dem schiitischen Islam hervorging. Sie leben mehrheitlich in Syrien, aber auch in Israel, dem Libanon und Jordanien. Die südsyrische Provinz Suwaida ist ihre Hochburg und strategisch wichtig wegen der Grenze zu Jordanien und der Nähe zu Israel.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz teilte mit: «Das syrische Regime muss die Drusen in Suwaida in Ruhe lassen und seine Truppen abziehen.» Das Militär werde seine Angriffe auf die syrischen Truppen verstärken, «wenn die Botschaft nicht ankommt».

Israels Regierung will Beobachtern zufolge die Drusen in Südsyrien auch stärken, damit sich in der Gegend nahe der Grenze zu Israel keine vom Iran unterstützten Milizen oder islamistische Gruppen ansiedeln. Die Regierung Netanjahu sieht in den Drusen auch einen potenziellen Verbündeten gegen diese Gruppierungen. Viele syrische Drusen aber lehnen ein Eingreifen Israels und eine Einmischung von aussen ab.

Die neuerliche Gewalt rückt die konfessionellen Spannungen in Syrien wieder in den Fokus. Im Land tobte ab 2011 ein blutiger Bürgerkrieg mit Hunderttausenden Toten und Millionen Vertriebenen. Nach Assads Sturz im Dezember hofften viele, dass die neue Regierung von Präsident Ahmed al-Scharaa für Stabilität sorgen würde. Seitdem kam es aber wiederholt zu Kämpfen, in denen Hunderte Menschen starben. (sda/ dst)

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