Bildung

Islamunterricht gegen Radikalisierung

Religionsunterricht fördert die psychische Widerstandskraft gegenüber stark abgrenzenden und identitären Religionsverständnissen. Zu diesem Schluss kommen Experten der Universitäten Luzern und Freiburg.

Eine Studie hat untersucht, ob Religionsunterricht gegen Radikalisierung hilft. Das Ergebnis: «Religionsunterricht hilft jungen Menschen, eine reflektierte religiöse Identität zu entwickeln», sagte Studienleiter Hansjörg Schmid auf Anfrage der Nachrichtenagentur «Keystone-SDA». Schmid ist Direktor des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft an der Universität Freiburg.

Religionsunterricht fördert damit gemäss der Studie die psychische Widerstandskraft gegenüber stark abgrenzenden und identitären Religionsverständnissen. Auf diese Weise, so die Expertinnen und Experten, könne verhindert werden, dass im Hinblick auf Religion und Identität ein Vakuum entsteht, das junge Menschen für Radikalisierungsprozesse anfällig machen kann.

«Trotz zunehmender Säkularisierung muss die religiöse Kompetenz in der Schule vermittelt werden», forderte Schmid. Der Religionsunterricht an Schulen sei gerade im Kontext der Digitalisierung wichtig. Denn Radikalisierung finde oft über das Internet statt. «Wenn Jugendliche Fragen zur Religion haben, gibt Google Antworten. Es braucht eine gewisse Kompetenz, das zu sortieren», erklärte Schmid.

In der Deutschschweiz wird konfessioneller islamischer Religionsunterricht – analog zum konfessionellen reformierten oder katholischen Religionsunterricht – derzeit aber nur in acht Schulhäusern in vier Kantonen (Luzern, Zürich, Thurgau, Schaffhausen) angeboten, so die Ergebnisse der Studie. 

Anders sei das in den Nachbarländern Deutschland und Österreich, wo islamischer Religionsunterricht breit eingeführt wurde und staatlich unterstützt wird. Die Studie wurde im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus vom Bundesamt für Polizei (Fedpol) gefördert. (sda/ bat)