In Pfarrers Garten Erholung finden
Noch sind die heissen Sommertage spärlich gestreut, doch stehen mit Juli und August zwei Hochsommermonate an. In der österreichischen Hauptstadt Wien hat das katholische Hilfswerk Caritas die so genannte Klimaoase organisiert. In den Sommermonaten öffnen Pfarreien ihre Gärten für jeden und bieten den Besucherinnen kostenlos Imbisse sowie kühlende Getränke an.
In der Schweiz existiert noch kein vergleichbares Angebot. Es gibt aber einzelne Initiativen in Pfarrgemeinden, die ähnliche Ziele verfolgen. Einen grossen Garten hat zum Beispiel Sibylle Forrer, die Pfarrerin von Kilchberg (ZH). Seit sechs Jahren wohnt sie mit ihrer Familie in der Gemeinde am Zürichsee.
Lebensmittel verschenken
Das Bedürfnis, ihren Garten regelmässig zu bestimmten Zeiten für die breite Bevölkerung zu öffnen, sei noch nie an sie herangetragen worden, meint Forrer auf Anfrage von ref.ch. Zudem habe Kilchberg vergleichsweise viele für die Öffentlichkeit zugängliche Grünanlagen. In der Corona-Zeit habe sie jedoch öfter als sonst seelsorgerische Gespräche im Garten durchgeführt, und auch kirchliche Anlässe für Kinder und Jugendliche fanden vermehrt unter freiem Himmel statt.
Als die Familie 2015 in das Kilchberger Pfarrhaus einzog, sei der Garten wild gewesen. «Mein Mann hat einen grünen Daumen und hat den Garten auf Vordermann gebracht», erzählt Forrer. Das Paar hat Gemüse gepflanzt und Fruchtbäume angesetzt. Von der Ernte profitieren alle Kilchberger.
«Wir legen die Lebensmittel in Körben vor das Pfarrhaus, wo die Ware gratis mitgenommen werden darf.» Das Angebot werde sehr geschätzt, Früchte wie Kiwis würden innert Minuten mitgenommen und die Körbe leerten sich in der Regel rasch.
Forrers lassen die Bevölkerung aber auch an ihrem Garten teilhaben, indem sie verschiedene Veranstaltungen organisieren. In ihrer Gartenlaube gibt es Lesungen und Themenabende mit Diskussionsrunden, sie haben auch schon Open-Air-Kinos und sogar Public Viewings durchgeführt.
Vor der Corona-Krise hätten zwischen 30 und 50 Personen an den Anlässen teilgenommen. Ideen für weitere Angebote seien durchaus vorhanden. Allerdings sei deren Umsetzung immer auch eine Frage von freien Kapazitäten. «Wir würden aber gerne auch einmal ein Konzert organisieren», sagt sie.
Garten öffnen aus Gastfreundschaft
Gleich mehrere musikalische Anlässe haben im Garten von Marcel Schneiter stattgefunden. Seit bald zwei Jahren ist er Pfarrer in der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Aarwangen im Oberaargau.
«Im Juni haben wir draussen Konzerte gehabt», erzählt Schneiter. Einmal hat seine Tochter Aline mit einer Freundin (Irene Gilgen) Popsongs interpretiert. An einem zweiten Anlass hat Andreas Graf, ein mit Schneiter befreundeter Musiker, mit der Gitarre Stücke von Liedermachern wie Mani Matter oder Konstantin Wecker gespielt.




Im Garten der reformierten Pfarrei Aarwangen gibt es diesen Sommer auch musikalische Veranstaltungen. So hat Pfarrerstochter Aline Schneiter (grosses Bild, rechts) mit Irene Gilgen Popsongs interpretiert.
Geplant sind laut Schneiter zudem Lesungen sowie Kino- und Theateraufführungen. Zwei Mal monatlich soll es eine Veranstaltung geben, zusätzlich ist jeden Donnerstagnachmittag bei schönem Wetter ein Pfarrhaus-Garten-Café geöffnet. Die Anlässe sind kostenlos, Freiwillige unterstützen Schneiter bei der Organisation sowie der Durchführung.
«Offene Pfarrhausgärten sind Oasen der Erholung. Sie bieten eine wunderbare Gelegenheit, in einer Kirchgemeinde Gastfreundschaft zu leben. Und sie ermöglichen Begegnungen und erleichtern es, miteinander ins Gespräch zu kommen», meint Schneiter. Die Anlässe stehen nicht nur Mitgliedern der Kirchgemeinde offen, auch Passanten oder Besucher anderer Gemeinden sind eingeladen, vorbeizuschauen.
Abkühlung an Hitzetagen bieten auch Klostergärten. In der Karthause Ittingen (TG) etwa gibt es ein Thymianlabyrinth, im Kloster Kappel Führungen durch den Kräutergarten, um hier zwei mögliche Ausflugsziele herauszugreifen. Kühle Plätze lassen sich aber auch in den Städten finden. In Schaffhausen etwa ist der Kreuzgang im Allerheiligen ein Geheimtipp.
Kennen Sie offene Pfarrgärten, besondere Klostergärten oder andere kühle kirchliche Orte? Die Redaktion (redaktion@ref.ch) freut sich über Ihre Hinweise.