Auf der Suche nach der kühlsten Kirche in Zürich

Kommt in die Kirchen, ihr Schwitzenden und Schnaufenden! Dort ist es kühl und ruhig. Wir haben die kühlste Kirche in der Zürcher City gesucht und gefunden.

Auf der Flucht vor der Hitze landet mancher im Zürcher Grossmünster.
Auf der Flucht vor der Hitze landen manche im Zürcher Grossmünster. (Bild: Matthias Böhni/ref.ch)

Bahnhofskirche

Die Suche startet am Hauptbahnhof: Aus dem Gewusel flüchtet man in die kleine Kapelle der Bahnhofskirche in den Katakomben. Dort ist es wunderbar kühl, denn die Kapelle ist klimatisiert. Der Reporter ist schon bald allein. Vorne brennt eine grosse Kerze, die Klimaanlage rauscht. Er möchte gar nicht mehr gehen und wird schläfrig. Weiter gehts! Auf der Bahnhofbrücke verteilen drei Frauen lächelnd ein Traktat der Zeugen Jehovas: «Was die Bibel wirklich lehrt».

Grossmünster

Ein gewisses Getümmel ist hier immer. Schwitzende Männer tragen schwere Bilder für eine Ausstellung in die Krypta, die deshalb leider geschlossen ist. Sie wäre am kühlsten. Eine Schulklasse wandert recht laut durch das Hauptschiff, die Lehrerin macht «Pscht!» Je länger man sitzt, desto angenehmer wird es. Jetzt ist auch die Schulklasse gegangen. Tipp: Absitzen in einer der Nebenapsiden. Man ist abseits und fühlt sich gut beschirmt. Nächste Station: Wasserkirche.

Wasserkirche

Sie ist am Montag geschlossen, bescheidet humorlos ein Schild. Dann also weiter zum Fraumünster, wieder vorbei an den Zeugen Jehovas, die nun auf der Münsterbrücke lächeln.

Fraumünster

Draussen dröhnt eine infernale Baustelle. Der Eingang ist etwas schwierig zu finden, und Touristen umlagern ihn. Drinnen ist es erstaunlich ruhig und gesittet. Die Temperatur ist recht angenehm, das Hemd, das am Rücken klebt, löst sich langsam. Die Touristen pilgern zu den Chagallfenstern, in den Bänken im Hauptschiff sitzt niemand. Der Lärm der Baustelle ist nur noch schwach zu hören. Auch hier: Je länger man sitzt, desto angenehmer wird es.

St. Peter

Im Vergleich zum Fraumünster ist man hier praktisch allein. Der Reporter nimmt in der Mitte des Raumes Platz, das Hemd klebt wieder. Raus aus den Sandalen, der Steinboden ist kühl. Leise rauscht eine Lüftung. Wieder der gleiche Effekt: Nach ein paar Minuten beginnt die Hitze den Körper zu verlassen. Die Schulklassen interessieren sich hier mehr für den Turm mit dem bekannten Ziffernblatt, der einen separaten Eingang hat. Deshalb ist es hier wunderbar still.

Augustinerkirche

Dort ist man endgültig allein. Hierhin verirren sich keine Touristen. Man hört die Trams dezent von der Bahnhofstrasse. Der Reporter döst ein. Plötzlich ein Türenklapp. Eine Frau setzt sich zu ihm hin und sagt: «Bitte helfen Sie mir! Können Sie mich brauchen? Haben Sie eine Spende? Ich bin in grosser Not und komme aus Bosnien.» Der Reporter ist überfordert und reagiert abweisend. Wie hätte er handeln sollen?

Predigerkirche

Schweissüberströmt setzt man sich in eine Bank und strahlt Wärme ab. Die Türe ist offen, jemand schliesst sie mit einem jaulend-fiependen Quietschen. «Laudate omnes gentes, laudate dominum» singen plötzlich in der Ecke zwei Männer und lesen Psalm 104 wechselweise vor. Schön! Leider hat es ausser dem Reporter keine weiteren Zuhörer.

St. Jakob beim Stauffacher

Mutterseelenallein ist man hier. Erstaunlich. Auch die laufende Ausstellung über den Islam scheint niemanden zu interessieren. Der Schweiss rinnt, das Hemd klebt, man hört die Trams rumpeln. Kühl ist es hier nicht. Der Schreibende nimmt sich vor, viele dieser Kirchen bald wieder zu besuchen. Vor allem die kühle Bahnhofskirche.

 

Matthias Böhni / ref.ch
Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».