Holocaust

Holländische Protestanten gestehen Mitschuld an Judenverfolgung ein

In einem historischen Akt hat sich die Protestantische Kirche der Niederlande bei der jüdischen Gemeinschaft entschuldigt. Die Kirche habe im Zweiten Weltkrieg zu wenig getan, um Juden im eigenen Land zu helfen.

75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat die Protestantische Kirche der Niederlande (PKN) eine Mitschuld an der Judenverfolgung bekannt. Der Vorsitzende der PKN, René de Reuver, bat bei einer Gedenkfeier zur Pogromnacht 1938 in Deutschland am Sonntagabend in Amsterdam die jüdische Gemeinschaft um Verzeihung. «Die PKN will jetzt vorbehaltlos anerkennen, dass die Kirche den Nährboden mit bereitet hat, in dem Antisemitismus und Hass gedeihen konnten.» Die Kirche erkannte zugleich an, dass das Schuldbekenntnis sehr spät komme. «Wir hoffen, es ist nicht zu spät», sagte de Reuver.

«Kirche hat vielfach versagt»

Die Protestanten erklärten nun, dass sie während des Krieges und der deutschen Besatzung zu wenig getan hätten, um Juden im eigenen Land zu helfen. Auch bei der Aufnahme von Juden, die aus den deutschen Konzentrationslagern oder den Verstecken zurückkehrten, habe die Kirche vielfach versagt. Die PKN hatte die Erklärung zuvor der jüdischen Gemeinschaft vorgelegt. Beide Religionsgemeinschaften wollen sich im Kampf gegen Antisemitismus engagieren.

Die Niederlande waren im Mai 1940 von Deutschland besetzt worden. Von den etwa 140’000 im Land lebenden Juden waren etwa 75 Prozent ermordet worden. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden von den Nationalsozialisten Synagogen in Brand gesteckt und Geschäfte und Wohnungen von jüdischen Eigentümern geplündert, hunderte Menschen wurden getötet. Die November-Pogrome markierten den Beginn der systematischen Vertreibung und Verfolgung der Juden in Deutschland. (sda/no)