Krieg im Nahen Osten

Heks: Worst-Case-Szenario eingetroffen

Der Krieg im Nahen Osten hat sich auf den Libanon ausgeweitet. Das Heks hilft mit einer viertel Million Franken und organisiert etwa Lebensmittel.

Das israelische Miilitär hat unter anderem auch Vororte von Beirut bombardiert. Je nach Quelle sollen bis zu einer MIllion Menschen im Libanon auf der Flucht sein. (Bild: Hassan Ammar/ Keystone)

Raketenangriffe auf beiden Seiten, explodierende Pager und schliesslich israelische Truppen auf libanesischem Boden: In kurzer Zeit hat sich die Gewaltspirale im Nahen Osten zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz schnell gedreht.

Das heisst auch für Sebastian Zug, den Programmverantwortlichen Humanitäre Hilfe für Syrien Gaza und Libanon beim Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks), dass es schnell gehen muss. Er steht seit Ausbruch des Konflikts in ständigem Kontakt mit der Heks-Partnerorganisation «Najdeh».

Nach der jüngsten Gewalteskalation im Grenzgebiet zum Libanon und der steigenden Zahl von Geflüchteten wurden erste Massnahmen zur humanitären Hilfe eingeleitet. «Najdeh» begann früh, erste Hilfsgüter an Geflüchtete zu verteilen. Heks hatte dafür in einer ersten Tranche 30'000 Franken zur Verfügung gestellt.  

Unbürokratisch Hilfe leisten

«Diese ersten Massnahmen mussten flexibel umgesetzt werden, abhängig davon, was die Geflüchteten in diesem Moment benötigen, und was beschafft werden kann», sagt Zug auf Anfrage von ref.ch. Aktuell liege der Fokus auf Lebensmitteln, Decken oder Matratzen. Wichtig sei, dass die Hilfe rasch und unbürokratisch erfolge. Verträge würden parallel zum Hilfseinsatz abgeschlossen, erklärt er. Für die kommenden Tage und Wochen will Heks vorerst 250'000 Franken für die Nothilfe im Libanon bereitstellen.

In einem Mail an das Heks hat «Najdeh»-Geschäftsführerin Leila El Ali vor wenigen Tagen die Lage im Libanon beschrieben: «Aufgrund der schweren Luftangriffe auf die Dörfer und Flüchtlingslager im Süden des Landes, sind die meisten Bewohner – einschliesslich unserer Mitarbeiter – nach Norden geflohen.»

Lage ist unübersichtlich

Sebastian Zug sagt, es sei schwierig in Erfahrung zu bringen, wie viele Menschen auf der Flucht seien. Während die Vereinten Nationen aktuell von 350'000 registrierten Flüchtenden ausgeht, spricht die libanesische Regierung von über einer Million. Letzteres ist laut Zug näher an der Realität, da viele Menschen bei Verwandten und Freunden unterkämen.

In den palästinensischen Geflüchtetenlagern, hat «Najdeh» neu über 3000 vertriebene Familien erfasst. Doch auch diese Zahl sei nicht belastbar, sagt Zug: «Die Lage ist unübersichtlich. Die Menschen ziehen häufig weiter und so es ist schwierig den Überblick zu behalten.» Bei seinen Telefonaten mit Kontaktpersonen im Libanon berichteten diese, wie nahe die Detonationen mittlerweile seien und dass sie sich nirgends mehr sicher fühlten, erzählt Zug.

Hilfswerke wie das Heks versuchen, so viel Unterstützung zu bieten wie möglich. Vor Ort befindet es sich im Austausch mit Organisationen, wie etwa mit der armenischen Kirche in Beirut, die Geflüchtete in öffentlichen Gebäuden wie Schulen unterbringt. Gleichzeitig bemüht es sich hierzulande um weitere Gelder für die Hilfe im Libanon.

Der Libanon war schon instabil

Den Nahen Osten kennt Sebastian Zug durch seine Arbeit in der Region. Der Programmverantwortliche für Humanitäre Hilfe beim Heks sagt: «Es ist nicht der erste Krieg im Libanon». Doch diesmal sei das Land bereits in einer tiefen Krise gewesen, geprägt von Instabilität, Korruption, Machtkämpfen und einer wirtschaftlichen Misere, die durch ein schwaches politisches System und fehlende Reformen verschärft werde.

Seit 2022 hat der Libanon keinen Staatspräsidenten mehr, sondern nur eine Übergangsregierung. Premierminister Nadschib Mikati vertritt den Libanon nach aussen.

Sebastian Zug befand sich zum Zeitpunkt des Terroranschlags der Hamas am 7. Oktober vergangenen Jahres auf einer Dienstreise durch Syrien und den Libanon. «Die Menschen hatten Angst davor, was dieses Ereignis für ihre persönliche Zukunft bringen würde », erinnert er sich. Während der letzten Monate habe es immer Hoffnung gegeben, dass sich die Situation wieder stabilisieren und es zu einem Waffenstillstand in Gaza kommen würde. Doch Zug sagt, das Worst-Case-Szenario sei nun eingetroffen und der Krieg habe die Menschen im Land erreicht.