Grönland

«Für die Inuit liegt die Seele in jedem Regentropfen»

Die Werte der grönländischen Inuit seien eng mit biblischen Gedanken verbunden. Das sagt der Korrespondent Bruno Kaufmann nach einer Grönlandreise in der SRF-Sendung «Perspektiven».
Korrespondent Bruno Kaufmann hat in Grönland die lutherische Bischöfin Paneeraq Siegstad Munk besucht. (Bild: Bruno Kaufmann)

Die Kirche hat in Grönland eine wichtige Rolle. Das zeigte sich, als die lutherische Bischöfin Paneeraq Siegstad Munk auf die Drohungen aus den USA, das Land notfalls mit Gewalt zu übernehmen, mit den Worten reagierte: «Wir sind Menschen, kein Besitz.» Ihr Facebook-Post ging um die Welt.

Korrespondent Bruno Kaufmann war in Grönland unterwegs und hat die Bischöfin getroffen (sein Porträt für ref.ch lesen Sie hier). In der SRF-Sendung «Perspektiven» hat er nun über die Eindrücke seiner Reise gesprochen.

Tiefe Verbundenheit mit religiösen Werten

Interessant ist, dass die Umweltethik der Inuit grosse Ähnlichkeiten zur Schöpfungsethik der Bibel aufweist. So schrieb Paneeraq Siegstad Munk: «Für uns ist es selbstverständlich, füreinander zu sorgen und unsere Umwelt zu schützen.» Und: «Wir lernen früh, nicht mehr zu nehmen als wir brauchen und dass Respekt gegenüber der Natur und Mitmenschlichkeit wichtigere Werte sind als Geld und Besitz.»

Gerade beim Klimawandel sei Grönland so etwas wie der «Fiebermesser der Welt», sagt Kaufmann. «Wenn die Eisberge schmelzen ist der Landweg abgeschnitten und die Menschen können nicht mehr reisen, sich nicht mehr treffen. Und das Eis ist auch Voraussetzung für den Lebensunterhalt. Es schafft beispielsweise die Möglichkeit, auf Hundeschlitten Robben zu jagen.»

Kaufmann weist daraufhin, dass die Inuit an einem Punkt in ihrer Geschichte angelangt sind, wo sie diese Werte vermitteln können – und sie auch gehört werden. «Sie werden auch von der ehemaligen Kolonialmacht Dänemark nicht mehr als eine rückständige Gesellschaft angesehen, sondern auf Augenhöhe.»

Dass die grönländischen Werte denjenigen beispielsweise der USA diametral gegenüberstehen, ist augenfällig. «Für die Inuit liegt die Seele nicht nur im Menschen, sondern in jeder Schneeflocke, in jedem Regentropfen, in allen Tieren. Dieser grundlegende Respekt, dieses emotional extrem Geerdete macht den Unterschied zum Weissen Haus, das Grönland für ein grosses Stück Land mit vielen Rohstoffen sieht, wo man einige Milliarden einfahren kann», so Kaufmann.

Kirche sorgt dafür, dass sich Menschen treffen

Im Interview spricht Kaufmann auch über die Aufgaben der Kirche in dem Land, das 50 Mal so gross ist wie die Schweiz, wo aber nur rund 60'000 Menschen leben – so viele wie in der Stadt Biel. Weil die Menschen so weit auseinander leben und bei schlechtem Wetter teilweise wochenlang nicht wegkommen, ist Begegnung eine anspruchsvolle Aufgabe.

Die Kirche möchte dort einspringen. So organisiert und finanziert sie beispielsweise sogenannte «Schlafgruppen»: Menschen aus den Dörfern kommen in der Kirche zusammen, um sich auszutauschen und zu übernachten. Begleitet werden sie etwa von Fachleuten mit Ausbildung in Mediation. «Also ungefähr das, was man in der Schweiz eine Retraite nennt.» (eba)

Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag von SRF Perspektiven kann hier in voller Länge angehört werden.

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