Gletscher-Initiative setzt ambitionierte Klimaziele

Mit der Gletscher-Initiative soll der Klimaschutz in der Verfassung verankert. Ausserdem sollen die Treibhausgasemissionen der Schweiz bis 2050 auf Null gesenkt werden. Unterstützung erhält die Volksinitiative von kirchlicher Seite.


Die eidgenössische Volksinitiative für ein gesundes Klima («Gletscher-Initiative») will die Bundesverfassung mit einem Artikel zur Klimapolitik ergänzen. Damit sollen die Zielsetzungen des Pariser Übereinkommens von 2015 in der Verfassung verankert werden. Die Initianten haben ihre Forderungen am 31. Januar in Bern vorgestellt.

Die Initiative verlangt, dass Bund und Kantone sich im Rahmen ihrer Zuständigkeiten im Inland und im internationalen Verhältnis für die Begrenzung der Risiken und Auswirkungen der Klimaveränderung einsetzen.

«Es braucht den politischen Willen»

Soweit in der Schweiz weiterhin vom Menschen verursachte Treibhausgasemissionen anfallen, müsse deren Wirkung auf das Klima spätestens ab 2050 durch sichere Treibhausgassenken dauerhaft neutralisiert werden, fordern die Initianten. Ab 2050 sollen in der Schweiz keine fossilen Brenn- und Treibstoffe mehr in Verkehr gebracht werden.

«Das Ziel 2050 ist ambitioniert, aber nötig, wenn man die Klimaziele ernstnehmen will», sagt Kurt Zaugg-Ott vom Verein «Oeku Kirche und Umwelt» auf Anfrage von ref.ch. Dazu brauche es die Politik. «Es geht nur, wenn der politische Wille vorhanden ist.»

Zaugg ist Mitglied im Initiativkomitee – vorerst noch als Privatperson. Oeku werde voraussichtlich im April Stellung beziehen, wenn die Unterschriftensammlung offiziell startet. Oeku ist Mitglied im Bündnis Klima-Allianz. Dort habe die Initiative viel Rückhalt, sagt Zaugg.

Klimapolitik im Rückstand

Die offizielle Schweizer Klimapolitik bleibe bisher weit hinter dem Erforderlichen zurück, finden die Initianten. Der jüngste Bericht des Weltklimarats vom vergangenen Oktober habe gezeigt, dass eine Klimaerwärmung von mehr als 1,5 Grad schwerwiegende Folgen hätte.

Das Verschwinden der Gletscher sei in der Schweiz eine der sichtbarsten Folgen des Klimawandels. In den Alpenländern erwärmt sich das Klima rund doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Gletscher und Permafrost im Hochgebirge tragen zur Stabilität von Bergflanken bei, die instabil werden könnten. Als Beispiel wird der Piz Cengalo angeführt, von dem sich im Sommer 2017 drei Millionen Kubikmeter Fels gelöst und Teile des Dorfs Bondo zerstört hatten.

Lanciert wird die Volksinitiative vom unabhängigen Verein Klimaschutz Schweiz. Im Initiativkomitee vertreten sind Bürger, Wissenschaftler, Kirchen-, Landwirtschafts- und Wirtschaftsvertreter, Politiker fast aller Parteien sowie Organisationen aus dem Bereich Natur, Umweltschutz und Entwicklungspolitik. Die Unterschriftensammlung startet voraussichtlich Ende April. (sda/pd)