Deutschland

Geheimdienst überwacht zwei christliche Gemeinden

Der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg beobachtet zwei christliche Gemeinden wegen Queer- und Staatsfeindlichkeit. Auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht werden sie erwähnt.

Im Bericht des Baden-Württembergischen Verfassungsschutzes für das Jahr 2024 tauchen zwei christliche Gemeinden auf: die «Evangelische Freikirche Riedlingen» im Landkreis Biberach und die «Baptistenkirche Zuverlässiges Wort» in Pforzheim.

Die Gemeinde in Pforzheim, die ein Ableger der «Faithful Word Baptist Church» in Arizona ist, steht seit Frühjahr 2023 unter Beobachtung. Kritisiert wird im aktuellen Bericht eine «massive Queerfeindlichkeit, die unverhohlen in öffentlich frei zugänglichen Reden gepredigt wird.» Ausserdem äussere sich die Gruppierung antisemitisch, frauen- und demokratiefeindlich.

Gegen die Hauptverantwortlichen der Kirche seien bereits mehrere Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet worden. Auch die Räumlichkeiten in Pforzheim seien durch die Polizei durchsucht worden. «Trotz dieser Massnahmen mässigten oder distanzierten sich die Verantwortlichen nicht von ihren Positionen», heisst es im Verfassungsschutzbericht.

Radikalisierter Prediger

Die «Evangelische Freikirche Riedlingen» wird seit Mai 2022 vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet. Ihr Prediger Jakob Tscharntke vermische «christlich fundamentalistische Ansichten mit der Ablehnung des Staates und demokratisch legitimierter Entscheidungen». Die hohe Reichweite der Gemeinde und das von Tscharntke initiierte «Netzwerk bibeltreuer Christen» könne dazu führen, dass zuvor nicht extremistisch eingestellte Kirchenmitglieder und andere Personen radikalisiert werden, heisst es im aktuellen Bericht des Verfassungsschutzes. Der Youtube-Kanal der Gemeinde hat derzeit knapp 23’000 Abonnenten.

Prediger Tscharntke war bis Mitte der 90er Jahre Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, verliess die Kirche aber nach Querelen mit der Kirchenleitung und wirkt seitdem als freikirchlicher Pastor. Laut dem Verfassungsschutz prägen seine «extremistischen Positionen» diese Freikirche.

Die Gruppierungen sind für den Weltanschauungsbeauftragten der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Pfarrer Andreas Oelze, keine Unbekannten. «Bei beiden handelt es sich um Extremfälle, die in keiner Weise für den Bereich der Freikirchen und freien Gemeinden repräsentativ sind», sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage.

Homophobe Hassprediger

Oelze erläutert weiter: «Jakob Tscharntke hat sich seit dem vermehrten Zuzug von Flüchtlingen 2015 und verstärkt während der Corona-Pandemie deutlich inhaltlich radikalisiert.» Er vertrete mitunter eine stark endzeitliche Sicht und äussere sich in verschwörungstheoretischer Weise über staatliche und gesellschaftliche Institutionen.

Die «Baptistenkirche Zuverlässiges Wort» werde hauptsächlich «wegen ihrer menschenverachtenden Homophobie beobachtet, die weit über das hinausgeht, was in anderen christlich-konservativen Kreisen vertreten wird», sagt der Theologe und ergänzt, man müsse von Hasspredigern sprechen.

Oelze sagt: «Es muss betont werden, dass diese Gemeinde nichts mit den normalen Baptistengemeinden, wie sie im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) organisiert sind, zu tun hat.» Auch die «Evangelische Freikirche in Riedlingen» ist laut Verfassungsschutz seit 2018 nicht mehr Teil des BEFG. (epd/ dst)

Beitrag teilen

Lesen Sie mehr zum Thema