Anglikaner führen Segnung homosexueller Paare ein
Die Church of England will gleichgeschlechtlichen Paaren die Möglichkeit bieten, ihre Verbindung in der Kirche segnen zu lassen. Die Ehe soll dagegen nicht für alle Paare geöffnet werden. Das beschloss die Generalsynode, die nationale Versammlung der Kirche, am vergangenen Donnerstag. Das Verdikt fiel mit 250 zu 181 Stimmen. Die ersten Segnungen sollen bereits im Sommer stattfinden.
«Es war ein langer Weg, der uns zu diesem Punkt geführt hat. Zum ersten Mal wird die Church of England gleichgeschlechtliche Paare öffentlich, vorbehaltlos und freudig in der Kirche willkommen heissen», werden der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, und der Erzbischof von York, Stephen Cottrell, in einer Mitteilung zitiert. Gleichzeitig verhehlten die beiden Geistlichen nicht, dass in der Frage nach dem Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren weiterhin grosse Differenzen bestehen. Sie beteten «für die Einheit der Kirche und dafür, dass wir uns gegenseitig lieben».
Ähnlich klang es bei der Londoner Bischöfin Sarah Mullally, die die Debatte leitete. «Ich weiss, dass das, was wir als Weg nach vorne vorgeschlagen haben, für viele nicht weit genug geht, aber für andere zu weit», sagte sie laut Mitteilung. Dennoch sei dies «ein Moment der Hoffnung für die Zukunft».
Politischer Druck
Wie die Tageszeitung «The Guardian» schreibt, bedeutet der Entscheid das vorläufige Ende eines seit 40 Jahren andauernden Streits innerhalb der Kirche. Dieser hatte zuletzt sogar die Politik beschäftigt: Verschiedene Parlamentarier versuchten, die Church of England zur Gleichbehandlung hetero- und homosexueller Paare zu zwingen. Unter anderem warfen sie die Frage auf, ob die Kirche ihren Status als Staatskirche behalten könne, wenn sie sich weiterhin weigere, mit dem zivilen Recht gleichzuziehen.
Der Entscheid, Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare zuzulassen, stelle «einen tiefgreifenden Wandel in der Haltung der Kirche zur Homosexualität» dar, so die Zeitung weiter. An diesem Kompromiss gebe es allerdings auch viel Kritik. «Die Entscheidung bleibt hinter dem zurück, was wir für das einzige Ergebnis radikaler Inklusion halten – die Ehe für alle Menschen», wird Nigel Pietroni, der Vorsitzende der Kampagne für die gleichgeschlechtliche Ehe in der Kirche, zitiert. LGBT-Aktivisten sprachen demnach von einer Beleidung und von Diskriminierung.
Konservative Stimmen kritisierten dagegen, die Abstimmung habe nichts geklärt und nur dazu gedient, die Spaltung zu vertiefen. Die Kirche werde damit auf einen Kurs eingeschworen, der «unser historisches und biblisches Verständnis von Sex und Ehe» ablehne, wird der Evangelikale Rat der Church of England zitiert.
Kirche will sich bei Betroffenen entschuldigen
Die Mitglieder der Synode stimmten auch dafür, dass sich die Kirche für das Leid entschuldigt, das sie LGBTQ-Menschen zugefügt hat. Zudem soll eine Regel überprüft werden, wonach gleichgeschlechtliche zivile Ehen für Geistliche verboten sind, sowie eine Zölibatsregel für Geistliche in gleichgeschlechtlichen Beziehungen, wie «The Guardian» weiter berichtet.
Die Church of England ist die Mutterkirche der weltweiten Anglikanischen Gemeinschaft. Ihr Oberhaupt ist der König respektive die Königin von England. (vbu)